Die Einwanderung- der Iberer in die pyrenäisehe Halbinsel.
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dies doch nicht aus, dass der Name nicht aus deren eigener Sprache
entlehnt sein könnte. Was die Ausdehnung eines Einzelnnamens auf
den ganzen Stamm anbetrifft, so bietet auch dafür die Geschichte
manche nahe liegende Beispiele. Tacitus behauptet auch dies von
dem Namen Germani, die Franzosen bezeichnen die Deutschen noch
jetzt als Allemands, in Ungarn heissen die Deutschen Schwaben, in
der Türkei: Franken.
Als ersten Anhaltspunkt zur Erklärung des Namens Iberer bietet
sich jener grösste Fluss der Halbinsel: Iberus oder Hiberus; hat der
einwandernde Stamm ihm seinen Namen gegeben oder ist der Name
des Flusses die Veranlassung zur Bezeichnung des Stammes gewesen?
Zunächst Humboldt erklärte sich für das Erstere. Sollte
sich aus entscheidenden Gründen der Zusammenhang des Baskischen
mit dem Iberischen bewähren, so hätte es allerdings den Anschein,
als ob jene Sprache mit Erfolg zur Erklärung des Namens Iberer
benutzt werden könne. Im Baskischen nämlich heisst ibai oder
hibai „Fluss“, mit dem suffigirten Artikel a: ibaya „der Fluss“; es
wäre dies also der Fluss xar’ i^oyjnv, wie auf Sicilien der Aetna
il monte heisst. Humboldt 8 ) zieht zum Vergleiche noch den Namen
des Ibia °), eines im Nordwesten Hispaniens in den Ocean sich ergiessenden
Flusses und die beiden Städtenamen Ibvlla 10 ) und Iban)
herbei; letzterer findet sich auch auf Münzlegenden |2 ). Ausserdem
gedenkt derselbe Autor der baskischen Wörter: ibarra „das Thal“
und ibilli: „sich fortbewegen, gehen“. Demnach würde man — um
uns noch für einen Augenblick auf dem baskischen Sprachgebiete
aufzuhalten — in der Wurzel ib, auch ohne sie mit der deutschen
ab gleichzustellems), den Begriff „des abwärts sich Neigenden“ erkennen
dürfen und ibaya wäre der abwärts, thalwärts hinab sich bewegende
Fluss. Man braucht, wollte man den Flussnamen Iberus aus
dem Baskischen erklären, nicht mit Astarloa zu dem Worte ibaya
8 ) Vergl. Humboldt, Untersuchungen S. 60 u. 1F.
9 ) Pomp. Mela, III. I. 9. — Was es für ein Bewandtniss mit dem Iberus australis
hat (s. oben S. 533), müssen wir auf sich beruhen lassen.
,0 ) Steph. B y z. Ethnie, p. 143.
u ) L i v. XXVII1. 21.
12 ) Boudard, Nufaismatique Iberienne. p. 202.
13 ) Vergl. Zyro in Kuhn’s Zeitschrift für vergleichende Sprachkunde. Bd. 2.
S. 439. u. ff.