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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

Die  Einwanderung-  der  Iberer  in  die  pyrenäisehe  Halbinsel.

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dies  doch  nicht  aus,  dass  der  Name  nicht  aus  deren  eigener  Sprache
entlehnt  sein  könnte.  Was  die  Ausdehnung  eines  Einzelnnamens  auf
den  ganzen  Stamm  anbetrifft,  so  bietet  auch  dafür  die  Geschichte
manche  nahe  liegende  Beispiele.  Tacitus  behauptet  auch  dies  von
dem  Namen  Germani,  die  Franzosen  bezeichnen  die  Deutschen  noch
jetzt  als  Allemands,  in  Ungarn  heissen  die  Deutschen  Schwaben,  in
der  Türkei:  Franken.
Als  ersten  Anhaltspunkt  zur  Erklärung  des  Namens  Iberer  bietet
sich  jener  grösste  Fluss  der  Halbinsel:  Iberus  oder  Hiberus;  hat  der
einwandernde  Stamm  ihm  seinen  Namen  gegeben  oder  ist  der  Name
des  Flusses  die  Veranlassung  zur  Bezeichnung  des  Stammes  gewesen? ­
  Zunächst  Humboldt  erklärte  sich  für  das  Erstere.  Sollte
sich  aus  entscheidenden  Gründen  der  Zusammenhang  des  Baskischen
mit  dem  Iberischen  bewähren,  so  hätte  es  allerdings  den  Anschein,
als  ob  jene  Sprache  mit  Erfolg  zur  Erklärung  des  Namens  Iberer
benutzt  werden  könne.  Im  Baskischen  nämlich  heisst  ibai  oder
hibai  „Fluss“,  mit  dem  suffigirten  Artikel  a:  ibaya  „der  Fluss“;  es
wäre  dies  also  der  Fluss  xar’  i^oyjnv,  wie  auf  Sicilien  der  Aetna
il  monte  heisst.  Humboldt  8 )  zieht  zum  Vergleiche  noch  den  Namen
des  Ibia  °),  eines  im  Nordwesten  Hispaniens  in  den  Ocean  sich  ergiessenden
  Flusses  und  die  beiden  Städtenamen  Ibvlla  10 )  und  Iban)
herbei;  letzterer  findet  sich  auch  auf  Münzlegenden  |2 ).  Ausserdem
gedenkt  derselbe  Autor  der  baskischen  Wörter:  ibarra  „das  Thal“
und  ibilli:  „sich  fortbewegen,  gehen“.  Demnach  würde  man  —  um
uns  noch  für  einen  Augenblick  auf  dem  baskischen  Sprachgebiete
aufzuhalten  —  in  der  Wurzel  ib,  auch  ohne  sie  mit  der  deutschen
ab  gleichzustellems),  den  Begriff  „des  abwärts  sich  Neigenden“  erkennen ­
  dürfen  und  ibaya  wäre  der  abwärts,  thalwärts  hinab  sich  bewegende ­
  Fluss.  Man  braucht,  wollte  man  den  Flussnamen  Iberus  aus
dem  Baskischen  erklären,  nicht  mit  Astarloa  zu  dem  Worte  ibaya

8 )  Vergl.  Humboldt,  Untersuchungen  S.  60  u.  1F.
9 )  Pomp.  Mela,  III.  I.  9.  —  Was  es  für  ein  Bewandtniss  mit  dem  Iberus  australis
hat  (s.  oben  S.  533),  müssen  wir  auf  sich  beruhen  lassen.
,0 )  Steph.  B  y  z.  Ethnie,  p.  143.
u )  L  i  v.  XXVII1.  21.
12 )  Boudard,  Nufaismatique  Iberienne.  p.  202.
13 )  Vergl.  Zyro  in  Kuhn’s  Zeitschrift  für  vergleichende  Sprachkunde.  Bd.  2.
S.  439.  u.  ff.
            
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