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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

Die  Einwanderung;  der  Iberer  in  die  pyrenäische  Halbinsel.  541

glauben  unser  in  Betreff  der  Wanderungen  der  Völker  oben  aulgestelltes
  Grundprincip  auch  hier  zur  Anwendung  bringen  zu  dürfen,
das  Princip  nämlich,  dass  jene  nicht  die  Richtung  von  Westen  nach
Osten  sondern  von  Osten  nach  Westen  genommen  haben 4 ).  Diess
führt  hier  zu  dem  Satze,  dass  —  abgesehen  von  dem  früheren  Aufenthalte ­
  der  Iberer  —  die  Ansiedelungen  dieses  Stammes  auf  den  Inseln
des  Mittelmeeres  nicht  von  Hispanien  aus  stattgefunden  haben,  sondern ­
  der  Einwanderung  der  Iberer  in  diese  Halbinsel  vorausgegangen
sind.  Wir  würden  daher  unter  Annahme  des  von  den  Iberern  eingeschlagenen ­
  Seeweges  dafür  halten,  dass,  wenn  anders  die  etwas
zweifelhaften  Spuren  einer  früheren  iberischen  Bevölkerung  Italiens ­
  5)  sicher  wären,  dieser  Stamm,  nachdem  er  durch  den  Andranganderer
  Völker,  die  vom  Norden  her  in  die  apenninische  Halbinsel
herabkamen,  genöthigt  worden  sei,  Italien  zu  verlassen  und  zur  See
weiter  zu  ziehen.  Damit  liesse  sich  Humboldts  freilich  nur  hingeworfener ­
  Gedanke,  die  Iberer  hätten  sich  von  der  grossen  Völkerstrasse ­
  Thrakiens  südlich  gewendet 6 ),  vereinigen.  Wäre  es
nicht  zu  bedenklich,  aus  der  Übereinstimmung  von  ein  paar  Namen
gleich  Schlüsse  zu  ziehen,  so  könnte  man  daraus  auch  einen  Fingerzeig ­
  für  einen  früheren  Aufenthalt  der  Iberer  in  Italien  entnehmen  <);
doch  das  lassen  wir  bei  Seite.
Wer  also  geneigt  ist  anzunehmen,  die  Iberer  seien  über  das
Mittelmeer  nach  Hispanien  gelangt,  hätte  dann  noch  die  Wahl,  ob  er
sie  über  Thrakien  und  lllyrien  nach  Italien  ziehen  oder  direct  von
den  Ostküsten  jenes  Meeres,  unbestimmt  freilich  von  welchem  Punkte
aus 8 ),  dieses  befahren  und  endlich  die  pyrenäische  Halbinsel  erreichen ­
  lassen  wollte.  In  dem  einen,  wie  in  dem  anderen  Falle  würden
die  Iberer  gleichsam  als  die  Vorläufer  der  Phönizier  und  der  Griechen
anzusehen  sein  und  gleich  diesen  Völkern  Italien  und  die  benach-4

 )  Vergl.  oben  II.  S.  10.
5 )  Vergl.  Humboldt,  Prüfung  der  Untersuchungen.  S.  111.  —  Mahn,  Denkmäler ­
  der  baskisehen  Sprache,  S.  VII.,  ist  sogar  der  Meinung,  dass  das  nicht-indoeuropäische
  Element  im  Lateinischen  iberisch  sei,  was  sich  aus  den  früheren
Wohnsitzen  der  Iberer  leicht  erkläre.
°)  S.  oben  II.  S.  17.
7 )  Vergl.  v.  H  u  m  h  0  1  d  t  a.  a.  0.  S.  118,
8 )  Allenfalls  auch  von  Kleinasien  aus.
            
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