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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

536

Phillips.

IV.
Untersuchung  der  Frage,  auf  welchem  Wege  die  Iberer
in  die  pyrenäische  Halbinsel  eingewandert  sind.
A.-Einwanderung
  der  Iberer  aus  Asien  auf  dem  Landwege.
Uber  den  Weg.  welchen  die  Iberer  auf  ihrer  Wanderung  nach
Westen  eingeschlagen  haben,  sind  mancherlei  verschiedene  Ansichten ­
  aufgestellt  worden.  Auch  von  denen,  welchen  Asien  als  der
Ausgangspunkt  der  Wanderungen  jenes  Stammes  gilt,  wird  die
Sache  nicht  gerade  so  angesehen,  wie  Humboldt  andeutet,  der  sie  unter
seiner  hypothetischen  Clausel  von  der  grossen  Völkerstrasse  Thrakiens ­
  sich  südlich  wenden  lässt.  Es  wird  vielmehr  von  den  Meisten
dafür  gehalten,  dass  die  Iberer  ihren  Weg  durch  Illyrien,  Venetien,
Lombardei,  Piemont  und  durch  das  südliche  Frankreich,  namentlich
Aquitanien,  über  die  Pyrenäen  nach  Hispanien  genommen  haben  <)•
Es  wird  dabei  vermuthet,  dass  die  Ligurer,  von  den  Kelten  gedrängt, ­
  die  Iberer  vor  sich  hergetrieben  hätten,  wodurch  die  Veranlassung ­
  gegeben  worden  sei,  dass  ein  Theil  der  Iberer  sich  von
dem  Hauptstock  getrennt  und  seinen  Weg  nach  der  apenninischen
Halbinsel  eingeschlagen  hätte 2 ).  Die  zu  diesem  Zweige  gehörenden
Sic  ul  er  seien  dann  wiederum,  von  den  nachwandernden  Italern
getrieben,  auf  die  nach  ihnen  benannte  Insel  Sicilien  hinübergegangen; ­
  ausserdem  hätten  aber  die  Inseln  des  Mittelmeeres  späterhin ­
  von  Hispanien  a,us  eine  iberische  Bevölkerung  erhalten,  namentlich ­
  seien  von  dort  aus  die  Sicaner  nach  Sicilien  gekommen  s).  In
dieser  Weise  fasst  Diefenbach  die  Züge  der  Iberer  auf;  aber  auch
er,  der  bescheidene  Forscher,  wird  seine  Ansicht  nicht  für  unumstösslich
  halten:  es  muss  eben  Jeder,  so  gut  es  geht,  versuchen  aus
dem  Wirrwarr  der  hierin  confusen  alten  Autoren  herauszukommen  und
sich  ein  Bild  von  der  Wanderung  des  einzelnen  Stammes  zu  machen.
Es  bleibt  hier  für  die  Phantasie  ein  grosser  Spielraum  und  es  hat

1 )  Diefenbach,  Origines  Europaeae.  S.  110.
2 )  Diefenbach  a.  a.  0.  S.  99.
3 )  Diefenbach  a.  a.  0.  S.  94,  99,  112.
            
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