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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

Die  Einwanderung  der  Iberer  in  die  pyrenäische  Halbinsel.

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von  Westen  nach  Osten  erzählt,  so  lange  keinen  Glauben,  als  sie
nicht  durch  anderweitige  Thatsachen  unumstösslich  bewiesen  wird.
Demnach  halten  wir  uns  mit  unmittelbarer  Anwendung  dieses  Satzes
aut'  die  Iberer  für  berechtigt,  die  Nachricht  des  Strabo  für  falsch
zu  erklären,  wenn  er  erzählt,  die  zu  seiner  Zeit  im  Kaukasus  lebenden ­
  Iberer  seien  dorthin  aus  Hispanien  eingewandert  ls ).
Jene  westliche  Hauptriehtung  der  Wanderung  aller  europäischen ­
  Völker  konnte  sich  nach  Verschiedenheit  der  Verhältnisse
dahin  modificiren,  dass  sie  hei  manchen  derselben  eine  südwestliche,
bei  andern  eine  nordwestliche  wurde.  Auch  sind  dabei  Wanderungen
von  Süden  nach  Nox’den  und  von  Norden  nach  Süden  nicht  ausgeschlossen; ­
  sie  konnten  leicht  durch  neue  von  Asien  herandringende
Völker  veranlasst  werden  19 ),  wie  z.  ß.  wohl  anzunehmen  ist,  dass
der  finnisch-magyarische  Volksstamm  durch  den  Andrang  der  Arischen ­
  Völker  nach  Norden  und  nach  Süden  aus  einander  gesprengt
worden  ist  2°).  Das  Letzte  aber,  was  unter  derartigen  Verhältnissen
geschehen  konnte,  war  die  Wanderung  eines  europäischen  Volkes
von  Westen  nach  Osten.  Eine  solche  Rückwanderung,  dem  einmal
gegebenen  Impulse  und  dem  Völkerandrange  entgegen,  liesse  sich  in
der  That  beinahe  einem  aulwärtsfliessenden  Strome  vergleichen.
Dem  entsprechend  sagt  J  akob  Grimm  21):  „Alexanders  Siegeszug,
die  Kriege  mit  Troja  und  Persien  bezeugen  des  griechischen  Volkes
alten  Zusammenhang  mit  Asien,  konnten  aber  auf  die  Dauer  keine
Eroberung  im  Osten  wider  den  Grundtrieb  des  Völkerzuges  gewähren“. ­
  Es  begreift  sich  aber,  wie  bei  den  Alten,  denen  jeder  Leitfaden ­
  in  dieser  Beziehung  fehlte,  eine  grosse  Verwirrung  in  die
Nachrichten  über  die  Wanderungen  der  Völker  kommen  musste;
ihnen  war  jede  Richtung  derselben  vollkommen  gleichberechtigt,  und
sie  Hessen  nach  Belieben  jedes  Volk  nach  allen  Weltgegenden,  also
auch  nach  Osten  wandern,  sobald  sie  dadurch  irgend  eine  historische
Erscheinung  erklären  zu  können  glaubten.

I8 f  Strabo,  Geograph.  1.  cap.  3.  n.  21.  p.  öl.  'Ißrjpuv  psv  zStv  igxspioiv  eig  zovg
vnep  zoü  Ilovrou  xal  rijs  Kol-^iSog  zönovg  pezipxupevwj.
19 )  Vergleiche  noch  Diefenbach  a.  a.  0.  S.  52.
~°)  Wegen  der  Verdrängung  der  Finnen  durch  die  Germanen  s.  Diefenbach  a.  a.  O.
S.  1S9.
;l )  Grimm  a.  a.  0.  S.  163.
Sitzb.  d.  phil.-hist.  CI.  LXV.  Bd.  III.  Hft.

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