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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

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Phillips

welchem  sie  es  sesshaft  finden,  im  eigentlichen  Sinne  des  Wortes
autochthon  sei,  d.  h.  ursprünglich  gerade  diesem  Lande  angehöre,
mithin  nicht  eingewandert  sei.  Bedienen  sich  griechische  Schriftsteller ­
  eben  des  Wortes  AöröyS'ovsg,  so  drücken  die  Römer  denselben ­
  Begriff  durch  die  Bezeichnungen  Aborigines  und  Indigenae  aus  1 7 ),
während  die  Erstere  nach  neuesten  Forschungen  als  Volksnamen
und  zwar  Aborigmes  lautend,  einem  einzelnen  Italischen  Volksstamme
zugewiesen  wird  l8 ).  Eben  jener  Anschauung  folgend,  konnte  also
selbst  ein  Tacitus  vor  anderen  Meinungen  in  Betreff  der  Germanen
derjenigen  den  Vorzug  geben,  nach  welcher  diese  für  die  eingebornen
  Urbewohner  des  Landes,  in  welchem  die  Römer  sie  antrafen,
zu  halten  seien  l9 ).  Den  Alten  fehlte  aber  jede  Ahnung  auch  nur  von
dei'  Möglichkeit  einer  Einheit  des  menschlichen  Geschlechtes;  man
fragte  immer  nur  nach  dem  Ursprünge  jedes  einzelnen  Volkes,  war
aber  um  die  Lösung  dieser  Frage  auch  nicht  sehr  bekümmert.  In
Folge  der  Zersplitterung  und  Spaltung  standen  sich  die  Völker  feindlich, ­
  jedes  das  andere  missachtend,  einander  gegenüber;  ja  das  Loos
der  Sklaverei,  welches  überall  die  Ueberwundenen  traf,  zeigt,  dass
die  Sieger  jenen  gar  nicht  einmal  den  menschlich  persönlichen  Werth
beilegten,  sondern  sie  als  Sachen  behandelten.  Die  Feindschaft  der
Völker  war  aber  zugleich  auch  eine  durch  die  Religionsverschiedenheit ­
  begründete,  jedes  Volk  hielt  seine  Religion  für  die  wahre,  seine
Götter  für  die  allein  zu  verehrenden.  So  erachtete  sich  jedes  Volk
für  das  Volk  und  in  so  fern  für  das  eigentliche  Menschengeschlecht ­
  und  sah  mit  Verachtung  auf  alle  Andern,  die  zu  ihm  nicht
gehörten,  herab.  Auf  das  religiöse  Gebiet  übertragen  hatte  dies  die
Bedeutung,  dass  analog  mit  den  hierzu  berechtigten  Juden,  sich

17 j  Serv.  ad  Virgil.  Aeii.  VIII.  328:  Indigenae  inde  geniti,  quos  vocant  aborigines
Latini,  Graeci
18 )  S.  Rubino,  Beiträge  zur  Vorgeschichte  Italiens  (Leipz.  1868.)  S.  29.  42.  47.  —
Vergl.  auch  Steph  Byzantv.  \Aj3opi«yive£  (ed.  Westermann  p.  5).
1ü )  Tacit.  Germ.  cap.  2.  Diese  Stelle  ist  überhaupt  für  die  Auffassungsweise  des
Tacitus  merkwürdig;  er  sagt:  Ipsos  Germanos  indigenas  crediderim  minimeque
  aliaram  gentium  adventibus  et  hospitiis  mixtos,  quia  nec  terra  olim  sed
classibus  advehebantur,  qui  sedes  mutare  quaerebant  et  inmensus  ultra  utque
sic  dixerim  adversus  Oceanus  raris  ab  orbe  nostro  navibus  aditur.  Quis  praeter
periculum  horridi  et  ignoti  mris,  Asia  aut  Afriea  aut  Italia  relicta  Germaniarn
peteret.
            
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