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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

Die  Einwanderung-  der  Iberer  in  die  pyrenäische  Halbinsel.

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erzählt  die  Sage  von  den  nach  Indien  eingewanderten  Ariern,  dass
sie  schon  vierzehn  Male  zuvor  aus  verschiedener  Veranlassung  genöthigt
  gewesen  seien,  ihre  Heimath  aufzugeben,  und  weiter  zu
ziehen,  um  eine  neue  zu  suchen  >').
Es  kommt  nun  in  der  That  sehr  viel  darauf  an,  dass  man  sich
eine  möglichst  klare  Anschauung  von  den  Wanderungen  der  Völker
in  der  alten  Zeit  macht  und  in  Beziehung  hierauf  zu  einigen  bestimmten ­
  Grundsätzen  gelangt.  Die  Kenntniss  der  Schicksale  eines  einzelnen ­
  Volkes  reicht  in  dieser  Hinsicht  nicht  aus,  sondern  es  tritt  überall
in  der  Geschichte,  so  viel  sie  auch  von  den  Kämpfen  der  verschiedenen ­
  Völker  zu  berichten  weiss,  doch  eine  gewisse  Zusammengehörigkeit ­
  einzelner  mit  andern  hervor;  dass  diese  Zusammengehörigkeit
öfters  auf  Blutsverwandtschaft  beruht,  haben  auch  die  Alten  schon
erkannt 1 ').  So  ist  es  auch  merkwürdig,  dass  die  alle  Stammsage
der  Germanen  auf  Einen  gemeinsamen  Stammvater  hinweist  1S ).
Diese  Erscheinung  hätte  den  ernsten  Tacitus,  wenn  Sagen  überhaupt ­
  vor  seinen  Augen  einen  Werth  gehabt  hätten,  leicht  zu  einem
tieferen  Nachdenken  veranlassen  können.  Jene  Sage  hätte  ihn  in
ihrem  Fortgänge,  wo  sie  von  Mannus  und  seinen  drei  Söhnen  erzählt ­
  l4 ),  im  Vergleiche  mit  dem  griechischen  Mythus  von  den  drei
Söhnen  des  Deukalion  noch  nähere  Anhaltspunkte  geboten.  Aber
man  darf  auch  nicht  zu  viel  von  ihm  verlangen,  da  ihm  die  jüdischen
Urtraditionen  unbekannt  geblieben  waren;  er  würde  diese  bei  den
verschiedensten  Völkern  wiederkehrende  Tradition  von  dem  Stammvater ­
  und  seinen  drei  Söhnen  >s)  um  so  weniger  verstanden  haben,
als  auch  er  der  hei  den  Alten  sehr  verbreiteten  Idee  von  der  Autochthonie
  der  Völker  huldigte  10 ).
So  viel  nämlich  die  alten  Autoren  von  den  Wanderungen  der
Völker  berichten,  so  macht  sich  doch  oft  genug  hei  ihnen  der  Gedanke ­
  geltend,  dass  (las  eine  oder  andere  Volk  in  dem  Lande,  in

11 )  Vergl.  Leo,  Vorlesungen  über  die  deutsche  Geschichte,  ßd.  1.  S.  19.
12 )  Tacit.  Germ.  cap.  4.
,8 J  Ta  ci  t.  1.  c.  cap.  2.
14 )  Vergl.  über  diesen  Mythus  noch  J.  Grimin  u.  a.  0.  S.  824.
l0 )  Vergl.  meine  deutsche  Reichs-  und  Rechtsgeschichte.  4.  Aufl.  §.  14.  Note  14  u.
18.  S.  ö6  u.  f.
3  h  S.  unten  Note  19.

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