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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

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Phillips

fried  von  den  Völkern  Skandinaviens  “).  Es  geschah  daher  zum
grossen  Tlieil  aus  Zwang,  dass  solche  Auswanderer  sich  auf  andere
Völker  stürzten.
Schon  Julius  Cap  i  t  ol  i  nus  gibt  davon  ein  anschauliches  Bild,
wenn  er  erzählt  7 J,  wie  die  M  arkom  a  n  n  e  n  und  Q  ua  d  e  u  zur  Zeit  des
Marcus  Aurelius  nicht  freiwillig  in  das  Römerreich  einbrachen,  sondern ­
  vielmehr  von  den  Juthungen,  denen  wiederum  andere  Völker
nachdrängten,  aus  ihren  Wohnsitzen  vertrieben  worden  waren.  Es
gilt  daher  ein  Ausspruch,  den  ein  neuerer  Schriftsteller  in  Betreff
der  Magyaren  thut*),  von  einer  grossen  Zahl  von  Völkern:  „sie  wurden
aus  asiatischen  Flüchtlingen  europäische  Eroberer“.  Diese  Wanderungen ­
  haben  aber,  wie  zuvor  bemerkt  wurde,  nicht  erst  in  jenen
Zeiten  begonnen,  von  denen  wir  die  ersten  Nachrichten  über  die  einzelnen ­
  Völker  haben,  sondern  sie  dauerten  schon  seit  vielen  Jahrhunderten ­
  fort  und  nahmen  nur  darin  in  späterer  Zeit  einen  gewalttätigeren ­
  Charakter  an,  als  die  Nachwandernden  auf  immer  grössere
Hindernisse  stiesseu.
Zu  dem  Zwange  zur  Auswanderung  gesellte  sicli  aber  oft  auch
wirkliche  Wanderlust  und  Freude  an  Kampf  und  Krieg,  wie  sie  so
mancher  Volksstamm,  in  unbekannt  gebliebenen  Schlachten  geübt,
kund  gab.  Da  bol  dann  kein  noch  so  hohes  Gebirge  ein  uniibersteigliches
  Hinderniss,  kein  Strom  und  kein  Meer  stellte  nicht  zu  bewältigende ­
  Schwierigkeiten  entgegen.  Über  die  steilsten  Alpen  stiegen
Kimbern  und  Teutonen  und  fuhren  auf  ihren  Schilden  in  die
Thäler  hinab;  über  den  Oceau  setzten  auf  leichten  Schiffen  Normannen ­
  hinüber  nach  Amerika  9 ).  Und  wie  viele  Gebirge  und  Ströme
hatten  die  Vorfahren  der  Einen  wie  der  Andern  überschritten,  bevor
sie,  die  Söhne,  bis  zu  den  Alpen  und  bis  zur  westeuropäischen
Meeresküste  gelangt  waren.
Aber  auch  noch  manche  andere  Ursache  l0 ),  als  die  angegebenen,
mochte  hinzutreten,  um  das  eine  oder  andere  Volk  zum  Auszuge
aus  der  seit  lange  oder  kurz  erworbenen  Heimatb  zu  bewegen.  So
6 )  Paul  Diac.  d.  gest.  Langob.  1.  2.
7 )  Jul.  Capitol  in.  Marc.  Aurel,  cap.  14.  Quadis  et  Marcomanis  cuncta  turbantibus;
  aliis  enim  gentibus,  quae  pulsae  a  superioribus  barbaris  fugeraut,  nisi
reciperentur,  bellum  inferentibus.
8 )  D  üm  m  1  er,  Pilgrim  von  Passau.  S.  149.  Note  14.
Über  die  Fahrten  der  Normannen  s.  noch  unten.  S.  552.
Jü )  S.  Note  4.
            
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