Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

Weitere  Mittheilungen  über  die  Mundart  von  Gottschee.

475

Dieß  schrieb  mir  1867,  nach  mündlicher  Erzählung,  Herr
Caplan  Parapat  in  Mitterndorf  nieder.  Weiter  heißt  es  in  Gottschee: ­
  „der  jidelstoin  macht  unbesieglich.  Wenn  man  an  denselben ­
  leckt,  so  löscht  er  Hunger  und  Durst.“  Es  ist  also  ein
sigestcin  wie  der  Stricker  ihn  beschreibt:  ’ich  lioere  von  den
steinen  sagen,  die  nätern  unde  kroten  tragen,  daz  so  gröz  tugentdaran
  lige,  swer  si  habe  der  gesige;  möchten  daz  sigesteine
wesen,  so  solt  ein  wurm  vil  wol  genesen,  der  si  in  sinem  libe
trüege’;  weitere  Stellen  mhd.  Wtb.  II,  616.  Einen  solchen  Stein
trägt  der  schlafende  Sigurdhr  der  Vilkinasaga  (cap.  96,  97)  in
der  Tasche  und  auch  König  Nidung  (cap.  1»)  besaß  einen
solchen,  „lnvictum  reddit  lapis  hie  quemcunque  gerentem,  extinguitque
  sitim  patientis  in  ore  receptus.“
Marbod  bei  Grimm  Mythol.  1169  vgl.  Haupt  III,  42.
Durch  Anlehnung  an  sigel  sigillum  wurde  aus  sigestein:
sigelstein  s.  mhd.  Wtb.  II,  616.  In  sidel^toin  steht  aber  d  für
g  wie  in  badraich,  Wegerich,  walde,  Felge  s.  oben  S.  89.
Andere  Erzählungen  davon  aus  Gottschee,  die  mir  stud.
Jaklitsch  aus  Mitterdorf  mittheilt,  mögen  noch  hier  folgen  :
Ein  Wanderer  verirrte  sich  im  Walde  und  fiel  nach  langem
Irren  in  eine  tiefe  Grube,  wie  im  Steingeklüft  von  Gottschee  so
viele  sind.  Er  hatte  sich  nicht  verletzt,  denn  er  fiel  weich  auf;
eine  gewaltige  Menge  von  Schlangen  deckte  den  Boden.  Unter
ihnen  erhob  sich  die  große  weiße  Schlange  mit  dem  §idclstoin
auf  dem  Kopfe  und  befahl  den  Übrigen  des  Wanderers  zu
schonen.  Diese  leckten  viel  an  dem  sidclstoine.  Da  er  hungrig
und  durstig  war  wagte  er  es  auch  zu  lecken  uud  Hunger  und
Durst  schwand.  Und  der  Wanderer  blieb  viele  Jahre  bei  den
Schlangen.  Da  versprach  ihm  die  große  weiße  Schlange  ihn
wieder  an  das  Tageslicht  zu  bringen,  wenn  er  über  seinen  Aufenthalt ­
  bei  den  Schlangen  schweigen  wolle.  Dieß  versprach  er
und  sie  nahm  ihn  auf  den  Rücken.  Sie  trug  ihn  aus  der  Grube,
aus  dem  Walde,  durch  die  Lüfte  bis  vor  eine  Stadt,  wo  er
wieder  zu  Menschen  kam.  Man  erzählt  auch,  in  der  Grube  seien
auch  Bilche  gewesen.  denen  er  rote  Fäden  um  den  Hals  band,
und  man  habe  später  viele  so  gezeichnete  Thiere  gefangen.
Ein  anderes.  Ein  Paar  Koiileute  s.  d.  waren  reich  an
Gütern,  aber  kinderlos.  Da  beteten  sie  um  ein  Kind,  wenn  auch
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.