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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

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S  c  h  r  ö  e  r

gn,  gb  nicht  wie  neuhochdeutsch  schl,  schm,  sehn,  schw;  ein
Beweis,  daß  die  Verwandlung  des  s  in  §  nichts  gemein  hat  mit
dieser  Verwandlung  des  mhd.  s  in  nhd.  sch,  sowie  daß  diese
Verwandlung  in  der  Sprache  von  Gottschee  eigentlich  noch  gar
nicht  eingetreten  ist').  —  Das  aus  älterem  *  hervorgegangene
nhd.  s  bleibt  scharfes  s  und  wird  nie  zu  §,  z.  B.  s  kintl  (daz  kint)
aber  g  kindes  (des  kindes)  oder  kindeg.
Der  starke  Genitiv  mit  s  (in  Gottschee  §),  der  in  der  österreichisch-bairischen ­
  Mundart  fehlt,  ist  noch  erhalten  z.  ß.
kindes,  gngag  oder  subag  des  abends,  g  morons  etc.  Selbst  den
starken  Genitiv  des  Infin.  wie  in:  viel  Lärmens,  Weinens,  Jammerns
  hört  man  noch  z.  B.  wil  kreakäns  für  großes  kreken
jammern  u.  dgl.
gache  f.  Sache;  der  Viehstand.  Die  Schafe  sind  das  wihe,  das  Rindvieh ­
  :  's  guet.
Sagen.  Von  geschichtlichen  Sagen  wird  in  Gottschee  nicht  viel  zu
erwarten  sein.  Erinnerungen  an  die  Einfälle  der  Türken  lehen
noch  fort.  Am  bekanntesten  ist  im  ganzen  wol  die  Sage  von
Yeronica  von  Desinze,  die  sich  an  die  Ruinen  des  Friedrichsteins
knüpft.  Graf  Friedrich  von  Cilli  soll  seine  Gemahlin  1422  im
Bett  erstickt  und  1424  seine  Geliebte,  jene  Veronika,  geheiratet
haben.  Sein  Vater  Hermann  ließ  den  Sohn  ins  Gefängnis  bringen
und  sein  neuerbautes  Schlößchen  Friedrichstein  niederreißen.
Veronica  irrte  in  Wäldern  herum  und  wurde  endlich  auch  festgesetzt ­
  und  der  Zauberei  angeklagt.  Das  Gericht  sprach  sie  frei,
Graf  Hermann  ließ  sie  jedoch  durch  zwei  Ritter  in  einer  Badewanne ­
  ertränken.  Alles  dieß  wird  ausführlich  nach  der  Cillier
Chronik  erzählt  vonValvasor  XI,  200.  Vgl.  rige,  sidelstein,  baiß.
gägen  gugen  part.  gesoit  sagen,  gesagt.
gägen  saugen,  sägarin  f.  Amme;  mhd.  sougen  von  sägen  dem  ein
gottscheewisches  gangen  entspräche.
gägen  gägen  sägen;  daher  slov.  ziigati;  gäge  f.  Sagemühle,  Säge;  slov.
zaga;  gubäch  sugäch  n.  Sägespäne:  ahd.  saga  die  Säge;
sagön  sägen.
gagenaise  f.  Sense;  ahd.  segansa  f.;  cimbrisch  segensc;  kärntisch
sengase  etc.  Das  a  der  ersten  Silbe  entspricht  dem  ahd.
0  st  und  sp  spricht  der  Cottscheewer  seht,  sclip,  nicht  st,  sp,  weil  das  tönende  s
vor  der  tenuis  in  das  entsprechende  schärfere  sch  iihergeht.
            
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