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S c h r ö e r
Die auffallendsten Lautwaiidlungeii der Mundart habe ich bei
jedem Buchstaben besonders besprochen. Den mundartlichen Ausdrücken
habe ich auch die gesammelten Orts- und Personennamen <)
eingereiht mit Angabe der Zeit und des Ortes ihres Vorkommens.
Von allgemeinerem Interesse werden die eingestreuten Proben
der Volksdichtung, Sage und Mythe sein. Von den mitgetheilten
Volksliedern gebe ich am Schlüsse ein Verzeichniss. Balladen, wie
oben S. 71 die Todtenbraut, schon wegen der Beziehung zu
Bürger’s Lenore, und unter mer: die Schöne am Meer, deren Beziehung
zur Gudrun ich in der Germania XIV, 327 (in dem Aufsätze:
das Fortleben der Kudrunsage von K. Bartsch und
K. J. Schröer) gezeigt habe, verdienen gewiss Beachtung. Sagen,
Mythen und Bräuche finden sich eingetragen unter: alp, pfurm,
*) Das Vorkommen derselben Namen im ungrischen Berglande, so weif, ich dieß
bezeugen konnte, habe ich angemerkt, vgl. oben Seite 29. Wie dieser Zusammenhang
zu erklären ist, mögen uns die Geschichtschreiber aufklären. Bemerkenswerth
ist, dass die Krickerhäuer im ungrischen Berglande nach lpolyi in Wolf’s
mythol. Zeitsch. I, 260 von sich aussagen sollen: bir sind bindisch. Wenn ich
auch selbst in Krickerhäu diese Angabe (mein Nachtr. z. Wtb. d. ungr. Bergl.
S. 17) nicht mehr bestätigt fand, so kann dieselbe doch eine frühere, jetzt
erloschene Erinnerung an die windisohe Mark beurkunden. Der Ausdruck mcerauge
für Bergsee, der sich im ungrischen Bergland wie bei den Siebenbürger Sachsen
findet, ist auch im Drauthale bekannt, s. Lexer 12, vgl. gangerle oben S. 89 und
unten: wergel, berget u. A. Hierbei werden auch zu erwägen sein, die madjarischen
Wörter im Slovenischen. Für manchen Begriff wird das slovenische Wort
einmal durch ein deutsches, das anderemal durch ein madjarisches ersetzt:
tausend (slovenisch eigentlich tisue) heisst einmal tauzint, das anderemal jezer
(madj. ezer) ; Opfer: bald ofer, bald wieder aldov (vom madj. a'ldö); Gevatter
nach dem deutschen: boter oder nach dem madj. (koma) kum u. v. A. Diese
Erscheinungen bezeugen alte Beziehungen, die uns jetzt nicht mehr klar sind. —
Eine gemeinsame Abstammung der Siebenbürger und der Sachsen des ungr. Bergl.
mit den Gottscheewern wird Niemand behaupten, da wir ja dem verschiedenen
Ursprung dieser Colonien bis auf den Grund sehen; aber eine Verwandtschaft
durch Zuwanderungen, vielleicht durch die Familie der Cillier veranlasst, ist anzunehmen.
Zwischen Gottschee und den Cimbri ist eine Verwandtschaft ganz deutlich
vorhanden, obwol auch diese Ansiedelungen, wie wir nun wissen, zu verschiedenen
Zeiten statfgefunden haben. Bedeutsam sind die aus italienischdeutschen
Vocabularien des 13. Jahrh. von mir beigebracbten Belege für das Vorkommen
einzelner seltenerer Wörter, die sowol bei den Cimbri als in Gotlschee
noch erhalten sind. Näher bezeichnet sind diese Voeabulare unten unter
den Abkürzungen; interessant ist auch, dass das älteste eine Spracherscheinung
erklärt, die weiter nirgends nachzuweisen ist, unten S. 429.