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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

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Karajan

Österreich  unter  der  Enns,  Landrechts-Beisitzer  und  Landmann  alten
Herrenstandes.  Dieser  starb  gleichfalls  zu  Wien  Freitags  den  5.  Jänner ­
  163S.  Nach  seinem  Tode  gelangten  auch  diese  Ennenkel'schen
Handschriften  an  die  Hofbibliothek,  wo  sie  unter  den  Zahlen  10095
bis  10100,  zum  Theile  aus  übermässig  starken  Folianten  bestehend,  verwahrt ­
  wurden.  Sie  waren  kenntlich  an  einem  mit  weisser  Öhlfarbe  auf
die  grünen  Alla-Rustica-Pergament-Bände  gemahlten  Anker,  einem
vom  Herzschilde  herabhängenden,  eigenthümiichen  Theile  des  Fernbergerschen
  Familien-Wappens  i°).
All  diese  Nachweise,  die  zu  dem  Zwecke  hier  eingereiht  sind,
um  die  Überlieferung  unserer  Bruchstücke  erkennen  zu  lassen,  legen,
abgesehen  davon,  ehrendes  Zeugniss  ab  von  der  Liebe  und  Sorgfalt
für  Geschichte,  wie  von  den  wissenschaftlichen  Bestrebungen  der  alten
Adelsgeschlechter  Österreichs  im  sechzehnten  und  siebzehnten  Jahrhundert, ­
  die  leider  in  neuerer  Zeit  wenig  Nachahmung  finden.  Doch
zurück  zu  unseren  Bruchstücken.
Als  bei  der  jüngsten,  eingehenderen  Beschreibung  der  abendländischen ­
  Handschriften  der  Hofbibliothek  auch  diese  ungefügen,
dabei  hastig  zusammengerafften,  nur  lose  gehefteten  Bände  an  die
Reihe  kamen,  wurde  beschlossen  den  wüst  durcheinander  geworfenen
Inhalt  derselben  nach  Sachen  möglichst  zu  ordnen  und  die  schlotterigen ­
  Bände  in  feste,  dabei  handsamere  umzugestalten.
Bei  dieser  Arbeit  nun,  welche  mein  College  Joseph  Haupt
begann,  bemerkte  er  auf  dem  Rücken  des  Bandes  10095  vier  sechs
Zolle  breite  und  einen  Zoll  hohe  Pergamentstreifen,  als  Haftbänder
aufgeleimt,  welche  deutsche  Verse  in  einer  zierlichen  Schrift  aus  der
zweiten  Hälfte  des  dreizehnten  Jahrhunderts  erkennen  Hessen.  Nachdem ­
  er  sie  vom  Bande  herabgelöst  hatte,  zeigte  er  mir  dieselben,  und
ich  traute  meinen  Augen  kaum,  als  ich  die  beiden  Verse  las:  'Wie
hoert  man  pvllen  daz  mer  Von  dem  Sturmwinden’  die  mich  sofort  an
Seifrieds  fünfzehntes  Büchlein  und  den  Aufbruch  des  Heeres  daselbst
erinnerten.  Es  waren  auch  in  der  That  die  Zeilen  758  und  759  in
ihm.  Als  ich  nun  alles  übrige  genauer  untersuchte,  stellten  sich  im
Ganzen,  mit  Unterbrechungen  durch  den  Ausfall  zweier  ganzer  Blätter, ­
  dann  durch  das  Fehlen  der  unteren  zwei  Drittheile  anderer  zwei,
sechs  und  sechzig  Zeilen  des  fünfzehnten  Büchleins  als  gerettet  her-10

 )  Vergl.  Wissgrill  1.  c.  3,  36.
            
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