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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

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K  a  v  a  j  a  n

zehnten  sich  dort  zu  den  bereits  Todten  zählt?  War  ers  denn
nicht  auch  in  gewissem  Sinne?  Er  der  sich  als  alt  und  überlebt,  mit
der  Gegenwart  zerfallen,  ihr  kaum  mehr  angehörig  schildert?
Wäre  übrigens  die  'hovegumpelmänner’-Fiction,  wie  der  vorgeschütze
  Tod  des  einen  derselben,  wirklich  nur  eine  vereinzelte  in
Seifrieds  Satyren,  so  wollt  ich  noch  eher  Ernst  Martin 7 )  Recht  geben,
da  diess  aber  nicht  der  Fall  ist,  da  die  Namen  der  Gerügten  sowohl,
wie  alle  Verhältnisse,  dieScenerie  des  Ganzen,  wiejene  durchgeführte
des  Herrn  zum  Knechte,  die  Zusammenkunft  der  Verschworenen,  jene
der  Tugenden  und  Laster  am  Oetscher,  kurz  alles  mögliche  erfunden
ist,  so  kann  ich  die  jedenfalls  noch  strittige  Frage  um  den  Namen  des
Dichters  durchaus  noch  nicht  für  entschieden  halten.  Hat  nun  Martin
Recht  oder  nicht,  so  wird  man  mir  am  Ende  doch  erlauben  müssen,
die  Sammlung  von  Satyren,  die  ich  meine,  vor  der  Hand  wenigstens
noch,  mit  dem  herkömmlichen  Namen  zu  bezeichnen.
Schon  am  Anfänge  der  vierziger  Jahre,  als  ich  am  Texte  Seifrieds
arbeitete,  fielen  mir  die  der  einzigen  damals  bekannten  Handschrift
der  Wiener  Hofbibliothek  desselben,  Cod.  2887.  ol.  Phil.  50.,  angehängten ­
  Anmerkungen  auf,  deren  Blattzahlen  zu  jenen  der  jungen
Handschrift  durchaus  nicht  stimmten,  also  wohl  aus  der  Vorlage  herübergenommen ­
  waren.  Ich  glaubte  in  ihrem  Styl  und  ihrer  Behandlungsart ­
  solcher  Dinge  unwillkürlich  die  Art  des  österreichischen
Geschichtsforschers  Freiherrn  Reicharts  Strein  von  Schwarzenau  zu
erkennen,  der  noch  zu  Anfang  des  siebzehnten  Jahrhunderts  lebte.
Diese  meine  Vermuthung  wurde  nach  der  Hand  als  richtig  bestätigt
durch  lange  Auszüge  aus  Seifrieds  Satyren  mit  ganz  ähnlichen
Bemerkungen  und  Überschriften  Streins  in  einer  Handschrift  des  Archives
  der  niederösterreichischen  Stände.  Sie  führt  den  Titel:  'Notabilia
  Ausz  H.  Reicharten  Streinss  H.  zu  Schwarzenau  seeligen
manuscriptis  abgezeichnet’.
Wer  war  nun  dieser  Abzeichner,  d.  i.  Benützer  der  Aufzeichnungen ­
  Streins,  die  bis  zur  Stunde  noch  in  nicht  weniger  als  eilf
Folianten  im  Archive  der  niederösterreichischen  Stände  verwahrt
werden?  Niemand  anderer,  als  sein  geistiger  Nachfolger  in  dieser
Thätigkeit,  der  Freiherr  Job  Hartmann  von  Ennenkel,  Herr  zu
Albrechtsberg  an  der  Bielach,  zu  Hoheneck,  Goldeck.  Liechteneck  und

7 )  In  Haupt's  Zeitschrift  f.  d.  Alterth.  13,  464.
            
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