380
K a v a j a n
zehnten sich dort zu den bereits Todten zählt? War ers denn
nicht auch in gewissem Sinne? Er der sich als alt und überlebt, mit
der Gegenwart zerfallen, ihr kaum mehr angehörig schildert?
Wäre übrigens die 'hovegumpelmänner’-Fiction, wie der vorgeschütze
Tod des einen derselben, wirklich nur eine vereinzelte in
Seifrieds Satyren, so wollt ich noch eher Ernst Martin 7 ) Recht geben,
da diess aber nicht der Fall ist, da die Namen der Gerügten sowohl,
wie alle Verhältnisse, dieScenerie des Ganzen, wiejene durchgeführte
des Herrn zum Knechte, die Zusammenkunft der Verschworenen, jene
der Tugenden und Laster am Oetscher, kurz alles mögliche erfunden
ist, so kann ich die jedenfalls noch strittige Frage um den Namen des
Dichters durchaus noch nicht für entschieden halten. Hat nun Martin
Recht oder nicht, so wird man mir am Ende doch erlauben müssen,
die Sammlung von Satyren, die ich meine, vor der Hand wenigstens
noch, mit dem herkömmlichen Namen zu bezeichnen.
Schon am Anfänge der vierziger Jahre, als ich am Texte Seifrieds
arbeitete, fielen mir die der einzigen damals bekannten Handschrift
der Wiener Hofbibliothek desselben, Cod. 2887. ol. Phil. 50., angehängten
Anmerkungen auf, deren Blattzahlen zu jenen der jungen
Handschrift durchaus nicht stimmten, also wohl aus der Vorlage herübergenommen
waren. Ich glaubte in ihrem Styl und ihrer Behandlungsart
solcher Dinge unwillkürlich die Art des österreichischen
Geschichtsforschers Freiherrn Reicharts Strein von Schwarzenau zu
erkennen, der noch zu Anfang des siebzehnten Jahrhunderts lebte.
Diese meine Vermuthung wurde nach der Hand als richtig bestätigt
durch lange Auszüge aus Seifrieds Satyren mit ganz ähnlichen
Bemerkungen und Überschriften Streins in einer Handschrift des Archives
der niederösterreichischen Stände. Sie führt den Titel: 'Notabilia
Ausz H. Reicharten Streinss H. zu Schwarzenau seeligen
manuscriptis abgezeichnet’.
Wer war nun dieser Abzeichner, d. i. Benützer der Aufzeichnungen
Streins, die bis zur Stunde noch in nicht weniger als eilf
Folianten im Archive der niederösterreichischen Stände verwahrt
werden? Niemand anderer, als sein geistiger Nachfolger in dieser
Thätigkeit, der Freiherr Job Hartmann von Ennenkel, Herr zu
Albrechtsberg an der Bielach, zu Hoheneck, Goldeck. Liechteneck und
7 ) In Haupt's Zeitschrift f. d. Alterth. 13, 464.