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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

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P  f  i  z  m  a  i  e  r.

Das  Buch  Pao-pö-tse  sagt:
Yü-tsu-hung-Iiü  war  in  seiner  Jugend  Befehlshaber  von  Linyuen.
  Derselbe  sagte:  Die  in  diesem  Districte  lebenden  Menschen
des  Volkes  batten  die  Langjährigkeit  und  das  hohe  Alter.  Später
wanderten  sie  aus.  Die  Söhne  und  Enkel,  die  ihnen  folgten,  starben
häutig  eines  frühzeitigen  Todes.  Andere  Menschen,  die  deren  alte
Häuser  bewohnten,  hatten  ebenfalls  durch  mehrere  Geschlechtsalter
die  Langjährigkeit  der  Augenbrauen.  Ich  vermuthe,  dass  das  Wasser
ihrer  Brunnen  durchaus  rotli  ist.  —  Er  liess  versuchsweise  einen
Brunnen  graben.  Man  fand  zur  Rechten  und  Linken  desselben  etliche
zehn  Scheffel  Mennigsand,  den  die  Menschen  des  Alterthums  vergraben ­
  hatten.  Wie  ist  es  erst  bei  denen,  welche  Mennigsand  als
Lockspeise  gebrauchen!

Tschao-kiü  von  Schang-thang  war  an  dem  Aussatze  erkrankt.
Keine  Behandlungsart  bewirkte  Heilung,  und  er  war  dem  Tode  nahe.
Seine  Angehörigen  setzten  ihn  in  eine  Sänfte  und  verstiessen  ihn.
Sie  besorgten  Mundvorräthe,  die  sie  in  einem  Gebirgsthale  niederlegten. ­
  Kiii  nahm  sich  sein  Unglück  zu  Herzen.  Tag  und  Nacht  seufzte
er  traurig  und  weinte.  Nach  einem  Monate  ging  ein  Unsterblicher  an
dem  Ausgange  der  Höhle  vorbei.  Derselbe  erblickte  ihn  und  erbarmte
sich  seiner.  Zugleich  fragte  er  ihn  aus.  Kiü  erkannte,  dass  es  ein
unsterblicher  Mensch;  sei.  Er  schlug  das  Haupt  an  den  Boden,
erklärte  sich  und  bat,  dass  er  sich  erbarme.  Der  unsterbliche  Mensch
schenkte  ihm  jetzt  einen  Sack  Arzneistoffe  und  belehrte  ihn  über
deren  Gebrauch.  Kiü  genas  von  seiner  Krankheit.  Sein  Angesicht  war
blühend  und  freudevoll,  seine  Haut  frischglänzend  wie  Edelstein.  Der
unsterbliche  Mensch  ging  nochmals  vorbei,  um  ihn  zu  sehen.  Kiü
bedankte  sich  und  bat  um  das  Heilmittel.  Der  unsterbliche  Mensch
sagte  ihm:  Dieses  ist  bloss  Fichtenharz.  In  diesem  Gebirge  findet  es
sich  häufig.  Wenn  du  es  läuterst,  kannst  du  damit  das  Leben  verlängern. ­
  —  Kiü  kehrte  jetzt  in  sein  Haus  "zurück.  Man  war  daselbst  sehr
erschrocken.  Man  fragte  ihn  und  erfuhr,  wie  er  geheilt  worden.  Kiü
war  einhundert  und  siebzig  Jahre  alt,  aber  seine  Zähne  und  sein
Haupthaar  waren  noch  fest  und  kräftig.  Er  lebte  unter  den  Menschen
zweihundert  Jahre,  dann  trat  er  in  das  Gebirge  des  umfassten  Kalbes
und  verschwand.
            
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