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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

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P  f  i  z  m  a  i  e  r

Gefahr  des  Tragens  von  Dornen  in  dem  Busen,  des  Tretens  auf  die
Schneide  der  Schwerter.  Auch  ist  es  keineswegs  etwas,  das  Könige
thun.
Die  seichten  und  dünnen  Wege,  von  denen  ich  gehört  habe,
sind  hier  zu  Ende.  Sie  verdienen  nicht,  dass  man  sie  verbreitet  und
überliefert.  Der  Mensch,  der  in  dem  Zeitalter  geboren  wird,  nährt
sie  bloss.  Er  erlangt  das  Angemessene  bis  zu  hundert  Jahren.  Alles,
wobei  man  dieses  nicht  erreicht,  ist  schädlich.  Grosse  Trunkenheit,
grosse  Heiterkeit,  grosser  Zorn,  grosse  Wärme,  grosse  Kälte,  grosse
Anstrengung,  grosse  Erschöpfung  sind  schädlich.  Grosse  Freude,
grosser  Kummer,  grosse  Scheu,  grosse  Bangigkeit,  grosse  Verwirrung, ­
  grosse  Hast,  grosser  Hochmuth,  grosse  Ausschreitung  sind
schädlich.  Starker  Hunger,  starker  Durst,  heftiges  Sehnen,  tiefes
Nachdenken  sind  schädlich.  Lange  sitzen,  lange  stehen,  lange  liegen,
lange  gehen  ist  schädlich.  Wenn  Kälte  und  Wärme  das  Mass  einlialten,
  Hunger  und  Sättigung  das  Angemessene  erreichen,  wenn
kein  Sehnen,  kein  Verrichten,  bloss  Klarheit,  bloss  Stille,  hier  lässt
sich  sagen,  dass  man  den  Leih  nur  ordnet.  Hat  man  seine  Langjährigkeit
  erlangt,  so  ordnet  man  ihn  nochmals.  Erlangt  man  das  Angemessene, ­
  so  hat  man  das  lange  Leben.  Es  ist  nur  erforderlich,  dass
man  nicht  schadet.  Hat  man  im  Winter  warm,  im  Sommer  kühl,
lässt  man  nicht  ausser  Acht  die  Übereinstimmung  der  vier  Jahreszeiten, ­
  so  gelangt  man  dadurch  an  den  Leih.  Hat  man  eine  schöne
Farbe,  ein  leichtes  Benehmen,  treibt  man  nicht  auf  das  Ausserste  die
Anregung  des  Sehnens  und  Begehrens,  so  verkehrt  man  dadurch  mit
dem  Geiste.  Kennt  man  bei  Wagen  und  Kleidern,  hei  der  Weise
des  Ansehens  die  Genügsamkeit,  ohne  nach  etwas  zu  streben,  so
bringt  man  dadurch  zur  Einheit  seine  Vorsätze.  Gelangt  man  hei  den
acht  Tönen,  bei  den  fünf  Farben  nicht  bis  zu  Leidenschaft  und  Versunkensein, ­
  so  führt  man  dadurch  zurecht  sein  Herz.
Mit  allen  diesen  Dingen  nährt  man  eigentlich  den  Menschen.
Der  Mensch  ist  nicht  fähig,  sie  zu  schöpfen,  einzugiessen  und  die
Mitte  zu  erlangen.  Er  bereitet  sich  im  Gegentheil  dadurch  Sorge.
Desswegen  Hessen  die  Höchstweisen  und  Weisen  hernieder  Warnungen, ­
  sie  fürchteten  die  Unruhe  der  Strömung,  zu  der  man  herabsteigt
und  in  der  die  Begabung  ertrinkt,  das  Verfehlen  des  Ortes,  wobei
man  vergisst,  zu  der  Anwendung  zurückzukehren.  Desswegen  hiessen
die  den  Weg  ordnenden  Männer  es  verbieten,  sie  wollten  dadurch
            
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