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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

Zur  Geschichte  der  Literatur  über  das  Dekret  Gratians.  III.

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T)ie  vor  den  Ausgaben  abgedruckte  setze  icb  als  bekannt  voraus. ­
  Die  älteren  sind  regelmässig  nicht  in  Handschriften  des  Decrets
enthalten,  sondern  bald  in  den  sogenannten  modus  legendi,  bald  mit
andern  Summen  verbunden,  wie  in  den  zwei  unter  c)  genannten
Handschriften.
d)  Gegen  den  Ausgang  des  XII.  Jahrhunderts  wurden  solche
metrische  Summen  nicht  bloss  auf  Grund  des  Textes  verfasst,  sondern
unter  Zugrundelegung  einzelner  Summen  über  das  Decret.  Zugleich
nahmen  sie  den  Charakter  metrischer  Compendien  an  und  erstreckten ­
  sich  auch  wohl  nur  auf  einzelne  Materien.  Zu  den  interessanteren ­
  dieser  Art  gehört  die  Handschrift  der  kaiserlichen  Hofbibliothek ­
  zu  Wien  Nr.  2221  in  4«.  Sie  enthält  von  fol.  4ö a
fünfte  Zeile  bis  o5 b  vierte  Zeile  von  einer  Hand  des  XIII.  Jahrhunderts
eine  versificirte  Darstellung  des  Eherechts  auf  Grund  des
Decretum  Gratian’s  Causa  XXVII—XXXVI.  mit  der  Rubrik:
Medulla  matrimonii.
und  beginnt:
Ardua  temptantes  sub  metrica  iura  medullam
Legitimi  nexus  rauca  licet  usque  cicuta
Taxamus,  et  scriptis  intentes  liuguitionis
Materiamque  damus  si  forte  quis  inclitus  ista
Altisono  pompare  stilo  velit  ac  pede  digno.
Nam  lahor  iste  rüdes  cum  sit  rudis,  imbuit  aures.
Auf  diese  Einleitung  folgt  aus  Gratian  die  Einleitung,  Quidam
votum’  zur  Causa  XXVII.  Gerade  so  steht  vor  jeder  der  folgenden
Causae  die  Einleitung  Gratian’s  wörtlich.  Neben  dem  Texte  ist  immer
die  Zahl  der  Causae  angegeben,  regelmässig  auch  die  der  Quaestio.
Die  Behandlung  selbst  ist  ungleich,  da  bald  eine  längere,  bald
kürzere  Darstellung  gegeben  wird.  Um  die  Methode  zu  kennzeichnen,
mögen  einige  Stellen  folgen  :
C.  XXVII.  Q.  I.
Legislatores  tradunt  jurisque  periti,
Hic  distinguendum:  mentem  canonumque  sciendum.
Quippe  superficie  qui  discordare  videntur.
Sed  rationis  ope  mediante  reconciliantur.
Scilicet  est  simplex,  est  quod  solemne  vocamus
Votum,  diverso  sortitum  nomen  ah  actu.
            
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