Zur Geschichte der Literatur über das Dekret Gratians. III.
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T)ie vor den Ausgaben abgedruckte setze icb als bekannt voraus.
Die älteren sind regelmässig nicht in Handschriften des Decrets
enthalten, sondern bald in den sogenannten modus legendi, bald mit
andern Summen verbunden, wie in den zwei unter c) genannten
Handschriften.
d) Gegen den Ausgang des XII. Jahrhunderts wurden solche
metrische Summen nicht bloss auf Grund des Textes verfasst, sondern
unter Zugrundelegung einzelner Summen über das Decret. Zugleich
nahmen sie den Charakter metrischer Compendien an und erstreckten
sich auch wohl nur auf einzelne Materien. Zu den interessanteren
dieser Art gehört die Handschrift der kaiserlichen Hofbibliothek
zu Wien Nr. 2221 in 4«. Sie enthält von fol. 4ö a
fünfte Zeile bis o5 b vierte Zeile von einer Hand des XIII. Jahrhunderts
eine versificirte Darstellung des Eherechts auf Grund des
Decretum Gratian’s Causa XXVII—XXXVI. mit der Rubrik:
Medulla matrimonii.
und beginnt:
Ardua temptantes sub metrica iura medullam
Legitimi nexus rauca licet usque cicuta
Taxamus, et scriptis intentes liuguitionis
Materiamque damus si forte quis inclitus ista
Altisono pompare stilo velit ac pede digno.
Nam lahor iste rüdes cum sit rudis, imbuit aures.
Auf diese Einleitung folgt aus Gratian die Einleitung, Quidam
votum’ zur Causa XXVII. Gerade so steht vor jeder der folgenden
Causae die Einleitung Gratian’s wörtlich. Neben dem Texte ist immer
die Zahl der Causae angegeben, regelmässig auch die der Quaestio.
Die Behandlung selbst ist ungleich, da bald eine längere, bald
kürzere Darstellung gegeben wird. Um die Methode zu kennzeichnen,
mögen einige Stellen folgen :
C. XXVII. Q. I.
Legislatores tradunt jurisque periti,
Hic distinguendum: mentem canonumque sciendum.
Quippe superficie qui discordare videntur.
Sed rationis ope mediante reconciliantur.
Scilicet est simplex, est quod solemne vocamus
Votum, diverso sortitum nomen ah actu.