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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

Die  Lebensverliingeruug-en  der  Männer  des  Weges.  323
Weg  besitzen.  In  den  Händen  Kostbarkeiten  halten  und  sie  nicht
verwenden,  ist  so  viel  als  keine  Kostbarkeiten  besitzen.
Der  ursprüngliche  Gebieter  des  purpurnen  Unscheinbaren  sagte:
Wodurch  Krankheit  entstellt?  Sie  entsteht  durch  vieles  Nachdenken. ­
  Wodurch  Unrecht  hervorgebracht  wird?  Es  wird  hervorgebracht ­
  durch  die  Zerstreuung  des  Herzens.  Ist  vieles  Nachdenken,
so  sind  die  Sachen  weitläufig.  Sind  die  Sachen  weitläufig,  so  sind
sic  zusammengesetzt  und  mannichfach.  Schwimmen  und  Fluthen  hat
keine  Einschränkung,  Verwirrung  und  Streit  hört  nicht  auf.  Was  im
Inneren  kocht,  sind  zehntausend  Gedanken.  Womit  man  nach  aussen
sich  abmüht,  sind  hundert  Dienstleistungen.  Gestalt  und  Geist  werden ­
  abgenützt,  wie  sollten  die  Krankheiten  nicht  aufkommen  können?
Bei  hohen  Mauern,  doppelten  Riegeln  fürchtet  man  noch  immer,  dass
die  Räuber  herannahen.  Um  wie  viel  mehr  ist  dieses  der  Fall,  wenn
man  die  Thürflügel  öffnet,  die  Schutzwehr  entfernt,  wenn  durch  uns
die  Räuber  zur  Stelle  gebracht  werden!  Weil  die  Vorsätze  ohne
Ufer,  verlässt  man  die  angeborne  Eigenschaft  und  das  Herz.  Weil
man  Böses  thut,  erschüttert  man  das  Wahre.  Die  Gestalt  kommt  und
befindet  sich  in  dem  Auge.  Der  Ton  kommt  hervor  und  dringt  zu
dem  Gehör.  Überdeckt  es  die  Säulen  des  Willens  und  hängt  sich  an
die  Gedanken,  so  ist  in  Wirklichkeit  Vermehrung  und  Überströmung.
Die  Seele  des  Lichtes  ist  der  richtige  Geist.  Der  Geist  ist  vornehm,
erleuchtet  und  wahrhaftig.  Die  Seele  der  Finsterniss  ist  der  Diimon
des  Unrechts.  Der  Dämon  ist  noch  immer  wahnsinnig  und  unordentlich. ­
  Wenn  bei  den  Gedanken  an  die  fliegenden  Unsterblichen  man
mit  diesen  zusammenstösst  und  sie  sieht,  so  denkt  man  gewiss  nach.
Wenn  bei  der  Gemiithsstimmung  des  Wohlwollens  und  des  Schutzes
man  den  Wesen  begegnet,  so  ist  dieses  die  Gipfelung.  Hiernach
richtet  man  sein  Herz  ein.  Das  Herz  ist  der  Weg.
Das  Buch  der  neun  Blumen  sagt:
Das  Auge  ist  der  Spiegel  des  Leibes.  Das  Ohr  ist  das  Fenster
des  Leibes.  Blickt  man  viel,  so  ist  der  Spiegel  verdunkelt.  Hört  man
alles,  so  ist  das  Fenster  verschlossen.  Glättet  man  den  Spiegel,
durchschneidet  das  Fenster,  so  ist  man  Fähig,  zu  durchdringen  die
Tiefen,  die  zehntausend  leeren  Räume,  genau  zu  erforschen  den  abgerissenen ­
  Wiederhall.  Das  Angesicht  ist  die  Vorhalle  des  Geistes.
Das  Haupthaar  ist  die  Blume  des  Gehirns.  Ist  das  Herz  traurig,  so
ist  das  Angesicht  verdorrt.  Nimmt  das  Gehirn  ab,  so  ist  das  Haupt-23
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