Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

Unters,  d.  Frage,  ob  Griechenl.  m.  <3.  Zerstör.  Korinths  röm.  Prov.  geword.  307

dass  Ereignisse  und  Verhältnisse  einer  späteren  Zeit  auf  das  J.  146
iibergetragen  wurden;  denn  das  stellt  denn  doch  ausser  allen  Streites,
dass  spätere  Einmischungen  des  Statthalters  von  Macedonien,  als  des
zunächst  stehenden  in  Streitigkeiten  in  Griechenland,  welche  Römer
oder  römische  Staatsverhältnisse  betrafen,  in  den  aufgeregten  Zeiten
eines  mithridatischen  und  anderer  Kriege  sehr  wohl  stattfinden
konnten,  ohne  dass  deshalb  Griechenland  unter  Macedonien  stand,
und  ohne  dass  aus  diesen  Einmischungen  ein  Schluss  auf  eine  Unterordnung ­
  Griechenlands  als  Provinz  unter  den  Statthalter  gezogen
werden  dürfte.  Hier  müsste  Fall  für  Fall  auf  das  Genaueste  durchgegangen ­
  werden,  um  zu  sehen,  oh  die  fortwährenden  Zeugnisse  von
der  Freiheit  der  Griechen  dadurch  irgendwie  eine  Beeinträchtigung
erlitten.  Nun  ist  aber  eines  der  wichtigsten  Zeugnisse  für  die  Freiheit ­
  der  Socii,  wie  wir  oben  sahen,  die  Fernehaltung  der  Publicaner
wie  die  Römer  selbst  gestanden.  Es  ist  ein  weiteres  und  nichts  weniger ­
  als  verächtliches  Zeugniss,  dass  Sulla  weder  Athen,  das  er  mit
Sturm  nahm,  noch  Griechenland,  das  er  factisch  beherrschte,  zur
Provinz  machte  und  als  Provinz  behandelte,  sondern  im  Gegentheile
die  Bündnisse  herstellte  und  die  griechischen  Hülfstruppen  mit  sich
nach  Italien  nahm.
Als  in  Rom  selbst  das  öffentliche  wie  das  Privatrecht  der  Factionswuth
  erlag,  die  Bedrückung  der  Bundesgenossen  zur  Regel
wurde,  der  Senat  taub  war,  wenn  Magistrate  ihre  Gewalt  missbrauchten, ­
  oder  selbst  Private,  auf  ihr  Ansehen  gestützt,  die  Bundesgenossen ­
  beraubten,  ging  freilich  die  Freiheit  der  letzteren,  aber  zugleich ­
  mit  der  Roms  unter.  Es  ist  eine  bekannte  Thatsache,  dass
Pompejus  überAchaja  im  Piratenkriege  verfügte;  dass  später  er  und
Cäsar  sich  in  den  Besitz  desselben  zu  setzen  suchten,  ist  gleichfalls
bekannt,  wie  dass  es  unter  die  Herrschaft  Mark  Antons,  dann  des
Sextus  Pompejus  kam  und  endlich  den  Provinzen  einverleiht  wurde.
Aber  alles  dieses  beweist  nicht,  dass  es  nach  Beendigung  des  acluiischen
  Krieges  zur  Provinz  wurde.  Wenn  daher  Hertzberg  als  Resultat ­
  seiner  Forschungen  sagt:  ganz  Griechenland  mit  Ausnahme  kaum
von  Athen,  trat  zu  Rom,  wenn  auch  noch  nicht  formell  theoretisch
staatsrechtlich,  so  doch  thatsächlich  in  das  Yerhätniss  einer  Provinz; ­
  dann  wieder  anführt:  eine  selbstständige  Provincialverwaltung
erhielt  damals  Griechenland  noch  nicht,  vielmehr  bildeten  die
griechischen  Gemeinden,  denen  man  noch  immer  ihre  Freiheit  und

22
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.