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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

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Höfler

der  Erinnerung  an  das  denkwürdigste  Ereigniss  ihres  Jahrhunderts,
der  Zerstörung  von  Korinth,  Theben  und  Chalkis,  der  Auflösung  des
achäischen  Bundes  inVerbindung  brachten,  ist  mir  völlig  unklar,  und
nur  so  viel  kommt  mir  dabei  in  den  Sinn:  dass  wer  zu  viel  beweisen
will,  nichts  beweist.
Das  dritte  Moment  bestellt  darin,  dass,  da  man  nun  einmal
absolut  nicht  läugnen  kann,  dass  Diodor,  Zonaras,  Appian,  Cicero,
die  Inscriptionen,  von  den  Griechen  als  freien  Völkern  sprechen,  so
soll  diese  „Freiheit“  nichts  beweisen.  Aber  heisst  denn  das  nicht
den  Gegenstand  der  Erörterung  verwischen,  weil  man  die  Sache
seihst  nicht  widerlegen  kann?  Nicht  darum  handelt  es  sich,  wie  viel
oder  wie  wenig  im  Laufe  der  Zeit  die  Freiheit  der  Völker  galt,
welche  Rom  anerkannt  hatte,  sondern  oh  sie  frei  waren  oder  nicht?
Welch  herrlicher  Beweis  doch  für  die  Gegenseite,  wenn  überall,  wo
von  den  freien  Völkern  Griechenlands  die  Rede  war,  das  Gegentheil
stünde,  von  ihrer  Unfreiheit  die  Rede  wäre!  Da  wäre  freilich  der
Streit  beendigt.  Da  aber  nicht  von  der  Unfreiheit,  sondern  erstens
absolut  hei  keinem  Schriftsteller  die  Rede  von  einer  Provinz  Achaja
und  dann  positiv  die  Rede  ist,  dass  die  Griechen  frei  waren  —  so  hat
—  alles  dieses  das  Gegentheil  von  dem  zu  gelten,  was  es  ist  und
heisst!  Diese  Logik  ist  jedenfalls  eine  mehr  als  seltsame  i).
Ob  die  Römer  aus  Grossmuth  die  Griechen  befreiten,  oder  weil
sie  glaubten,  sie  seien  so  ihren  Zwecken  am  dienstbarsten  (Hertzberg
nach  Marquardt  S.  293),  ist  eine  andere  Frage,  die  nicht  zu  dieser
Sache  gehört.  Möge  man  uns  doch  nicht  blos  das  Verzeichniss  der
nachweisbar  freien  Städte  Griechenlands,  sondern  auch  das  der  zuverlässig ­
  unfreien  geben.  Man  weise  nach,  wo  der  Prätor  von  Achaja
residirte,  welche  Städte  zu  seiner  Provinz  gehörten,  welches  die
eigentlichen  Provincialen  in  Griechenland  waren,  und  wie  es  denn
kommen  konnte,  dass  sich  in  mehr  als  100  Jahren  von  den  Prätoren ­
  Griechenlands  oder  Achajas  so  ganz  und  gar  keine  zuverlässige
Spur  vorfand,  als  jene  negative  des  Plutarch,  dass  eben  keine  nach
Griechenland  geschickt  wurden.
Übrigens  kann  man  nicht  sagen,  dass  der  eigentliche  Gegenstand ­
  der  Controverse  dadurch  wissenschaftlich  gefördert  werde,

’)  Sie  erinnert  an  das  berühmte  Wort:  der  Bien  muss.
            
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