v. S c li ulte
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der Verbreitung des Deerets ähnliche Dimensionen angenommen hat.
Vielleicht wendet man ein: es mögen die meisten Handschriften verloren
gegangen sein. Ich gestehe aber, dass ich, ohne selbstverständlich
die Thatsache zu bestreiten, dass durch Brand, Verbrauch,
Vandalismus u. s. w. viele Manuscripte verloren gegangen sind, auf
jenen Einwand kein grosses Gewicht lege. Einmal nämlich glaube ich
überhaupt nicht an die traditionelle Erzählung von solchem Untergänge,
weil die Menge der aufbewahrten Handschriften, so wie der
Umstand dagegen spricht, dass mit Sicherheitnichtbehauptetwerden
kann, es sei ein einziges Werk verloren gegangen'). Sodann wäre
ein Verlust durch Brand u. s. w. doch immer nur in beschränktem
Umfange eingetreten. Finden sich also — und das ist der Fall —
von manchen Sammlungen in weiten Ländern keine Handschriften,
so darf man auf geringe Verbreitung schliessen. Der wirkliche Gebrauch
der altern Sammlungen zeigt sich viel mehr durch Benutzen
für Anfertigung neuer Sammlungen zu besonderen Zwecken.
Hieraus erklärt sich die enorme Zahl von Sammlungen aus dem 10.,
11. und Anfänge des 12. Jahrhunderte, welche noch ziemlich über
die allgemein bekannte hinausgeht. Für diese Sammlungen bilden
bald diese, bald jene älteren die Quelle. Mit einem Schlage nimmt
seit dem Auftauchen des Deerets dieser ganze Zweig der Literatur
eine andere Gestalt an. Das Anfertigen von Sammlungen, die
das im Decrete aufgenommene Material enthielten, hörte gänzlich
auf; nur das Neue und das übersehene Alte sammelt man. Selbst
das Abschreiben der vorgratianischen Sammlungen wird selten 2 ).
Die eigentliche Literatur coneeutrirt sich auf und um das Decret.
Hierin liegt zugleich der Beweis von dessen allgemeiner und unbe-*)
Bereits im 13. Jahrhundert lagen Schriften in Bibliotheken vergraben, die unser
Jahrhundert zu Tage gefördert hat; die grössten Literarhistoriker des 13. und 14.
Jahrhunderts haben manche Schrift nicht gekannt, die wir kennen. Welche
Masse von Handschriften viel benutzter Werke es gab, beweisen die
zahlreichen von den Werken einzelner Väter z. B. mancher Sachen von Augustinus
Hieronymus u. s. w.
2 ) Um ein Beispiel zu geben. Von den 67 Codd. ms., die H i n s c h i u s in der
Praef. zur Ausg. der Decretulcs Pseudoisid. angibt, sind 17 jünger als das 12. Jahrh.
Dazu kommt nun für ältere und jüngere noch eine Anzahl, die er nicht kennt, das
Verhältniss wird aber nicht alterirt. Und doch hatte man darin besonders eine
ziemlich vollständige Sammlung der Canones der alten Concilien.