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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

266  b  ergmann,  Die  Nominale  der  Münzreform  des  Chalifen  Abdulmelik.
Bei  dem  anfänglich  ziemlich  gleichen  Feingehalte  des  Goldes  und
Silbers,  tritt  das  Vorschlägen  des  ersteren  Metalles  allerdings  bis  auf
die  abbasidische  Zeit  herab  nicht  mit  so  grosser  Schärfe  hervor  als
später,  vielmehr  gleichen  die  Geldverhältnisse  jenen  der  ersten  römischen ­
  Kaiserzeit,  wo  anfänglich  beide  Metalle  nahezu  coordinirt
waren,  jedoch  die  zukünftige  Goldwährung  aus  einzelnen  Indicien
sich  bereits  erkennen  lässt.  Die  constant  zunehmende  Ungenauigkeit
der  Silberpräge  und  die  von  den  arabischen  Quellen  berichteten
Devalvirungen  des  Dirhems  zeigen  aber,  dass  letzterer  immer  mehr
und  mehr  Creditmünze  wurde  i).  Der  Dinar  blieb  von  diesen  finanziellen ­
  Katastrophen  gewöhnlich  unberührt,  und  nur  der  Dirhem
stieg  und  fiel  häufig  in  Folge  seiner  schlechten  Ausmünzung.  Dies
ist  aber  das  Charakteristische  der  Creditmünze  oder  des  secundären
Metalles,  dass  es  im  Verhältnisse  zum  primären  zu  hoch  ausgebracht,
der  plötzlichen  Entwerthung  und  dem  Diseredite  preisgegeben  ist.
In  der  schwankenden  Silberpräge  Abdulmelik's  und  seiner  Nachfolger, ­
  die  anfänglich  jedoch  noch  den  möglichst  besten  Feingehalt
hatte,  liegt  bereits  der  Keim  des  späteren  Verfalles  des  arabischen
Münzwesens,  und  die  noch  zu  schreibende  Geschichte  desselben
wird  zeigen,  dass  es  auch  in  dieser  Beziehung  in  der  Bahn  blieb,
welche  ihm  durch  seinen  Gründer  vorgezeichnet  worden  war.

Eine  Zusammenstellung  dieser  sehr  zerstreuten  Nachrichten  würde  hierüber
interessante  Aufschlüsse  gehen.  Zum  Erweise  der  Richtigkeit  der  oben  gemachten
Bemerkung  will  ich  nur  ein  Paar  Daten  anführen.  Wenn  Abulfeda  unter  dem  J.  330
sagt,  dass  der  Dinar  in  dieser  Zeit  13  Dirheme  galt,  so  zeigt  dies,  dass  das  Verhältniss
  des  Goldes  zum  Silber  auf  9:1  herabgesunken  war  und  das  Silber  über
seinen  Werth  und  als  Creditmünze  Cours  hatte.  So  galt  der  Dinar  Muezzi,  vom
Nominalgewichte  zu  4*25  Gr.,  15  y 3  Dirheme,  während  später  unter  Al-Hakim  das
schlechte  Silbergeld  so  verrufen  war,  dass  schliesslich  für  einen  Dinar  bis  zu
34  Dirheme  gegeben  wurden.  —  In  viel  späterer  Zeit  setzte  der  Mamlukensultan
  An-Nasir  den  Werth  des  Dinars,  der  bisher  20  Dirheme  galt,  auf  25  fest.
Dass  der  Dinar  auch  bisweilen  Verschlechterungen,  wie  z.  B.  unter  dem  Chalifen
Ar-Radhi  erlitt,  ist  begreiflich.
            
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