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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

260  Bergmann
i/ 72  des  römischen  Pfundes  geschlagen  wurde.  Dasselbe  hatte  also
ein  Normalgewicht  von  4-35  Gr.  und  seine  Hälfte  oder  die  Siliqua
wog  nicht  </ 120  sondern  f / i44  Pfund.  Wir  wissen  jetzt  ferner,  dass
das  sogenante  Lepton  von  l 3 / 4  siliqua  nur  ein  anderer  minder  genauer ­
  Ansatz  für  das  Miliaresion  von  */ 12  des  römischen  Pfundes  war
und  in  der  wechselnden  und  schwankenden  Relation  des  letzteren
zum  Solidus  seinen  Grund  hatte.  Es  könnte  hier  nur  das  Silberstück
von  y eo  Pfund  herangezogen  werden,  das  in  der  noch  constantinischen
  Zeit  bis  auf  Magnus  Maximus  herab  sich  findet,  und  dessen
Halbstück  etwas  leichter  war  als  der  legale  Dirhem.  Dieses  Nominal
jedoch  wurde  nur  in  geringer  Menge  und  vorzugsweise  als  Festmünze
ausgebracht  und  verschwand  im  4.  Jahrhunderte;  es  ist  daher  wenig
wahrscheinlich  weder  dass  es  bei  den  Arabern  vorzugsweise  coursirte,
  noch  dass  es  zum  Muster  für  ihre  neue  Silberpräge  wurde  *).
Der  legale  Dirhem  also  war  ein  den  Arabern  eigenthiimliches
und  von  ihnen  selbst  aus  der  sasanidischen  Silbermünze  geschaffenes
Nominal  und  kein  arabischer  Schriftsteller  berichtet  etwas  von  dem
ausländischen  Ursprünge  desselben,  der  sich  doch  in  der  Tradition
erhalten  hätte.  Er  existirte  aber,  wie  auch  die  Münzen  zeigen,  bereits
vor  Abdulmelik's  Münzreform  und  wurde  durch  Omar  ins  Leben  gerufen. ­
  Dieser  war  der  erste  Chalife,  welcher  das  arabische  Staatswesen ­
  begründete  und  ihm  eine  finanzielle  und  judicielle  Organisation ­
  gab.  Er  systemisirte  die  Abgaben  und  fixirte  zuerst  die  Grundsteuer. ­
  Bei  diesen  Reformen  erkannte  er,  dass  den  mannigfachen
und  in  keiner  Relation  zu  einander  stehenden  Münzsorten,  welche
nebeneinander  coursirten,  die  Creirung  einer  officiellen  und  gesetzlich
normirten  Münzeinheit  nöthig  sei.  Er  schuf  daher  ein  neues  Nominal,
welches  auf  den  spätem  sasanidischen  Münzfuss  basirt  war,  sich
jedoch  eigentümlich  darstellte  und  den  officiellen  Finanzoperationen
zu  Grunde  gelegt  wurde.  Omar  blieb  aber  hiebei  auf  halbem  Wege
stehen  und  anstatt  diese  neue  Münze  zur  Geltung  zu  bringen,  wurde  im
Gegenteile  die  Hauptmasse  des  Silbergeldes  noch  fortwährend  auf  den
Dirhem  bagli  und  tahari  ausgebracht.  So  behielt  der  legale  Dirhem
bis  auf  Abdulmelik's  Zeit  herab,  mehr  den  Charakter  einer  fictiven  Rech-*)
  Das  Vorkommen  ganz  vereinzelter  vermiinzter  Silberstücke,  wie  z.  B.  eines  von
Justinian  I.  zu  2'9  Gr.  bedeutet  nichts;  eben  so  wenig  können  die  viel  spater  auf
den  arabischen  Dirhems  geschlagenen  Silbermünzen  des  Basilius  Macedo  hier  m
Betracht  kommen.
            
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