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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

Indogermanisch  und  Semitisch.

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H.  Schlussbetrachtung'.
Wir  haben  in  dem  bisher  Vorgetragenen  die  Form  der  semitischen ­
  und  der  indogermanischen  Sprachen  einer  vergleichenden
Betrachtung  unterzogen  und  gefunden,  dass  hierin  zwischen  beiden
gewaltige  und  tiefgreifende  Unterschiede  bestehen;  den  Stoff  haben
wir  absichtlich  gar  nicht  berührt,  da  eine  tiefere  Untersuchung  desselben ­
  uns  hier  zu  weit  führen  würde.  Aber  wir  können  in  Betreff
desselben  doch  eine  Bemerkung  nicht  unterlassen,  nämlich  dass  eine
sporadisch  nachweisbare,  'begriffliche  und  lautliche  Übereinstimmung
'  in  den  F  o  rin  elementen  (den  sogenannten  Pronominalwurzeln)
zwischen  zwei  Sprachen  von  keinem  besonnenen  Sprachforscher  als
Zeichen  gemeinsamen"  Ursprunges'  angeführt  werden  darf.  Die
Pronominalwurzeln  sind  nämlich  einsilbige,  ursprünglich  nur  aus
Vocal  oder  aus  Consonant  und  Vocal  bestellende  Lautcomplexe,
welche  auf  relative  Verhältnisse  hinweisen.  Da  nun  weder  in  der
einen  noch  in  der  andern  Richtung  grosse  Variationen  möglich  sind,
so  kann  entweder  ein  gewisses  subjectives,  überall  gleiclnnässig
vorhandenes  Sprachgefühl  oder  der  böse  Zufall  an  solchen  Übereinstimmungen ­
  Schuld  tragen.
Wenn  wir  nun  zwischen  den  beiden  uns  interessirendeu  Sprachslämmen
  verschiedene  Anlagen  in  Betreff  der  Form  und
eine  diesem  entsprechende  verschiedene  Entwicklungsgeschichte ­
  wahrnehmen,  so  werden  wir  wohl  keinen  Fehlschluss
machen,  wenn  wir  den  Ursprung  beider  aus  einer  gemeinsamen
Quelle  läugnen.
Denn  wenn  wir  annehmen,  dass  beiden  Sprachstämmen  eine
nun  nicht  mehr  existirende  in  ihnen  aufgegangene  Ursprache  zu
Grunde  liegt,  so  müssen  wir  dann  ferner  annehmen,  dass  die  Anlagen
ihrer  Form  der  Form  des  einen  oder  des  anderen  Sprachstammes
gleich  gewesen  sind,  und  mithin  diese  Ursprache  entweder  im  Indogermanischen ­
  oder  im  Semitischen  fortlebt.  Dann  wären  aber  auch
weiter  die  Gründe  nachzuweisen  und  zu  erklären,  welche  den  einen
Sprachstamm  zu  einer  von  dem  andern  total  verschiedenen  Entwicklung ­
  der  Form  gedrängt  haben.  Wenn  man  beide  Sprachstämme
vom  rein  formalen  Standpunkt  betrachtet,  so  zeigt  gewiss  der
semitische  eine  viel  grössere  Alterthümlichkeit  und  Ursprünglichkeit
            
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