Indogermanisch und Semitisch.
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H. Schlussbetrachtung'.
Wir haben in dem bisher Vorgetragenen die Form der semitischen
und der indogermanischen Sprachen einer vergleichenden
Betrachtung unterzogen und gefunden, dass hierin zwischen beiden
gewaltige und tiefgreifende Unterschiede bestehen; den Stoff haben
wir absichtlich gar nicht berührt, da eine tiefere Untersuchung desselben
uns hier zu weit führen würde. Aber wir können in Betreff
desselben doch eine Bemerkung nicht unterlassen, nämlich dass eine
sporadisch nachweisbare, 'begriffliche und lautliche Übereinstimmung
' in den F o rin elementen (den sogenannten Pronominalwurzeln)
zwischen zwei Sprachen von keinem besonnenen Sprachforscher als
Zeichen gemeinsamen" Ursprunges' angeführt werden darf. Die
Pronominalwurzeln sind nämlich einsilbige, ursprünglich nur aus
Vocal oder aus Consonant und Vocal bestellende Lautcomplexe,
welche auf relative Verhältnisse hinweisen. Da nun weder in der
einen noch in der andern Richtung grosse Variationen möglich sind,
so kann entweder ein gewisses subjectives, überall gleiclnnässig
vorhandenes Sprachgefühl oder der böse Zufall an solchen Übereinstimmungen
Schuld tragen.
Wenn wir nun zwischen den beiden uns interessirendeu Sprachslämmen
verschiedene Anlagen in Betreff der Form und
eine diesem entsprechende verschiedene Entwicklungsgeschichte
wahrnehmen, so werden wir wohl keinen Fehlschluss
machen, wenn wir den Ursprung beider aus einer gemeinsamen
Quelle läugnen.
Denn wenn wir annehmen, dass beiden Sprachstämmen eine
nun nicht mehr existirende in ihnen aufgegangene Ursprache zu
Grunde liegt, so müssen wir dann ferner annehmen, dass die Anlagen
ihrer Form der Form des einen oder des anderen Sprachstammes
gleich gewesen sind, und mithin diese Ursprache entweder im Indogermanischen
oder im Semitischen fortlebt. Dann wären aber auch
weiter die Gründe nachzuweisen und zu erklären, welche den einen
Sprachstamm zu einer von dem andern total verschiedenen Entwicklung
der Form gedrängt haben. Wenn man beide Sprachstämme
vom rein formalen Standpunkt betrachtet, so zeigt gewiss der
semitische eine viel grössere Alterthümlichkeit und Ursprünglichkeit