Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

238

Phillips,  Über  das  iberische  Alphabet.

Durch  die  vorausgehende  Zusammenstellung  der  iberischen
Buchstaben  wird  vielleicht  der  freilich  schwere  Versuch  ermöglicht,
mit  Hülfe  der  für  einzelne  Beziehungen  ermittelten  Lautverhältnisse,
wie  sie  zwischen  dem  Iberischen  und  dem  Lateinischen  und  Griechischen ­
  bestehen,  latinisirte  iberische  Namen  in  ihre  Ursprache  zurück ­
  zu  übersetzen.  Man  darf  sich  hier  dadurch  nicht  irre  machen
lassen,  wenn  ein  Name  auch  ganz  so  klingt,  als  ob  er  römisch  wäre.
So  lässt  sich  nach  der  Analogie  von  Alboqoia  =  Albocela  oder  Albueela
  wohl  mit  Gewissheit  annehmen,  dass  der  Name  Aracefi
nicht  den  Himmelsaltar  bedeutet,  sondern  mit  Arecillitm  wohl  auf
Araqoia  zurückzuführen  wäre.  So  möchte  sich  gegen  den  römischen
Ursprung  mancher  anderer  Namen  einiges  Bedenken  erheben;  ob
Castelluni,  welcher  Stammname  an  die  Stadt  Castulo  in  Baetica
erinnert,  nebst  diesem  Namen  von  dem  römischen  Casteilum,  ob  der
Flussname  Alba  nicht  aus  Alaba  abzuleiten  sei  ;  ob  in  Oieastrum  nicht
ein  l  euphonicum  den  Triphthong  Den  hat  beseitigen  sollen,  wie  er  in
Oeaso  fortbestand;  ob  bei  Tenebrium  neben  Totiozcosecin  (Leg.  287),
Tonobrica  und  Terebrica  noch  an  eine  lateinische  Ableitung  gedacht ­
  werden  dürfe,  scheint  doch  etwas  zweifelhaft  zu  sein.  Auch
der  römische  Ursprung  des  sehr  römisch  lautenden  Flussnamens
Rubricatus  (jetzt  Llubregat  bei  Barcellona)  ist  nicht  unbedenklich ­
  i<>2);  doch  hier  werden  wir  auf  einen  andern  Weg  geleitet;  in
Numidien  gibt  es  nämlich  einen  Fluss  desselben  Namens,  welcher  als
flumen  beneclictionis  erklärt  wird  lfl3 ).
Wenn  sie  auch  nicht  von  uns  gelöst  worden  sind,  so  glauben
wir  doch  viele  wissenschaftliche  Fragen  angeregt  zu  haben  und
schliessen  daher  diese  Abhandlung  mit  der  Wiederholung  unseres
Wunsches,  dass  Kundigere,  als  wir,  durch  eingehendere  Bearbeitung
des  gebotenen  Materials  zu  grossen  wissenschaftlichen  Resultaten
geführt  werden  mögen.

*102)  pij r  römisch  hält  ihn  Humboldt,  Untersuchungen.  S.  20.
^03)  Gesen  ius,  Monumenta.  p.  426.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.