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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

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VI  ii  II  (•  r

sich  eine  gewisse  Scheu  von  Lautgruppen  im  Inneren  ein,  die  eben
auch  in  der  Erschlaffung  der  Articulationskraft  begründet  ist,  womit
das  vollständige  Zusammenschmelzen  der  Formelemente  mit  den
Stoffelementen  eingeleitet  wird,  so  dass  die  einzelnen  Wertformen
in  dieser  Periode  Lautcomplexe  darstellen,  die  ohne  Kenntniss  des
nach  und  nach  eingetretenen  lautlichen  Processes  nicht  mehr  in  ihre
ursprünglichen  Elemente  aufgelöst  werden  können.  Durch  diese  Vorgänge ­
  können  Wertformen,  welche  ursprünglich  identisch  waren,
ihre  Gestalt  derart  verändern,  dass  selbst  das  geübteste  Auge  und
Ohr,  nach  den  Formen  selbst  zu  uriheilen,  gar  keine  Verwandtschaft
herauszufinden  vermögen.
Während  Anfangs  der  Accent  .diesen  Veränderungen  ferne
steht,  macht  sich  in  der  späteren  Sprachperiode  sein  Einfluss  immer
mehr  und  mehr  geltend.
Diese  soeben  in  Kurzem  beschriebenen  Processe  bringen  es  mit
sich,  dass  mehrere  Sprachformen,  welche  Anfangs  lautlich  strenge
geschieden  waren,  z  u  s  a  m  m  e.n  f  a  11  e  n,  wodurch,  da  der  Trieb
der  Sprache  nach  Klarheit  und  Bestimmtheit  immer  derselbe  bleibt,
die  Herbeiziehung  ä  ussere  r  H  i  I  fs  m  i  11  e  I  nothwendig  erscheint.
Diese  an  die  Form  von  aussen  tretenden  ,  aus,  Stoffelementen
gebildeten  Formelemente  suchen  dann  wieder  wo  möglich  mit  derselben ­
  zu  verschmelzen,  so  dass  sich  der  Proeess,  wie  er  in  der
Periode  der  Spraehbildung  bestand,  wenn  auch  zwischen  zwei  verschiedenen ­
  Faetoren,  wiederholt.  Die  einzelnen  Sprachen  erhalten
auf  diese,  \Veise  einen  ganz  eigenthümlicben,  Typus,  in  welchem  sie.
gegenseitig  mit  einander  verglichen,  kaum  (len  gemeinsamen  Ursprung ­
  aus  einer  Quelle  ahnen  lassenslavischen

  Sprachen)  und  der  Dentale  (im  Litauischen),  Aspiration  und  Assihilatiou
(durch  die  umgebenden  Consonanten  oderVocale  hervorgerufen),  Zetacismus  (d.  h.
die  Wandlung  des  y  in  z  oder  j  und  Verschmelzung  desselben  mit  dem  vorhergehenden ­
  Consonanten,  im  Griechischen  und  Ältslavisiphen),  Anähnlichung  und
Angleichung  (sowohl  nach  vorwärts  als  auch  nach  rückwärts),  ferner  Ekthlipse.
Alle  diese  Processe  finden  sich  schon  in  den  älteren  Formationen  des  Indogermanischen; ­
  in  den  jüngeren  Sprachen  nehmen  sife  in  Verbindung  mit  noch  anderen
'so  sehr  überhand,  dass  die  alten  Wortformeii  in  den  neuen  fast  gar  nicht  zu
•  1  erkennen  sind.
            
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