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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

Über  das  iberische  Alphabet.

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her  erborgtes  Alphabet  zuzuschreiben  ‘).  Dem  gegenüber  steht  eine
andere  kühne  Behauptung,  dass  das  iberische  Alphabet  aus  dem
.skandinavischen  Runenalphabet  herzuleiten  sei a );  diejenigen,  welche
den  Iberern  ältere  Wohnsitze  in  den  Polarländern  anweisen  s),  werden
begreiflicher  Weise  gern  geneigt  sein,  dies  anzunehmen.  Allerdings
finden  sich  einige  Runen  vor,  welche  mit  iberischen  Schriftzeichen
eine  gewisse  Ähnlichkeit  haben,  aber  wo  eine  solche  vorhanden  ist,
haben  diese  doch  meistens  eine  andere  Bedeutung  als  jene  4).
Von  diesen  Erscheinungen  nehmen  wir  Umgang  und  gehen  auch
jeder  Versuchung  aus  dem  Wege,  von  einem  gemeinsamenUr-Alphabet
aller  Völker  zu  sprechen,  für  welches  neuerdings  eine  nicht  sehr
glückliche  Erklärung  in  dem  Tättowiren  gesucht  worden  ist 5 ),
sondern  halten  uns  vielmehr  an  die  positiven  Resultate  der  Wissenschaft, ­
  um  von  diesen  auf  das  iberische  Alphabet  Anwendung  zu
machen.  Es  gilt  nunmehr  für  eine  ausgemachte  Thatsache,  dass  die
sämmtlichen  griechischen  und  italischen  Alphabete,  die  letzteren  nur
mittelbar,  aus  dem  Phünizischen  entnommen  sind  e ).  Berücksichtigt
man  nun  die  ethnographischen  Verhältnisse  der  pyrenäischen  Halbinsel, ­
  die  auf  einander  folgenden  Colonisationen  der  Phönizier
lind  der  Griechen,  so  wie  die  Eroberungen  seitens  der  Karthager
und  der  Römer,  so  ist  es  naheliegend,  dass  phönizische  und
punische,  griechische  und  römische  Einflüsse  sich  wie  im  ganzen
Leben  der  bisherigen  Bewohner  Hispaniens,  so  auch  in  Beziehung
auf  Wort  und  Schrift  geltend  machen  mussten.  Schon  eine  bloss
oberflächliche  Betrachtung  der  in  den  obigen  Verzeichnissen  mitgetheilten
  Schriftzeichen  lässt  deutlich  griechischen  und  einen  jüngeren
römischen  Einfluss  in  dieser  Richtung  erkennen;  noch  viel  bedeutender ­
  ist  aber  unstreitig  phönizische  Einwirkung  gewesen,  ja  man
darf  wohl  behaupten,  das  phönizische  Alphabet  bilde  die  eigentliche
Grundlage  des  iberischen,  auf  welches  dann  in  späterer  Zeit  das

O  Erro,  Alfabeto  de  la  lengua  primitiva  de  Espana.  Madr.  1806.
2 )  Ola  ns  W  ormlius,  Dan.  Liter,  antiqua.  Amst.  1636.
3 )  Baudriinont,  Histoire  des  Basques.  S.  7.  Vgl.  m.  Abhandlung  über  die  Einwanderung ­
  der  Iberer.  S.  19.
**)  Übereinstimmend  sind  z.  B.  X,  H  und  £.
5 )  Geiger,  Über  die  Entstehung  der  Schrift  (Zeitschrift  der  deutschen  morgenländischen ­
  Gesellschaft.  Bd.  23.  S.  169.  u.  ff.).
Vgl.  Corssen,  Alphabet  bei  Pauli,  Realencyklopodie.  B.  I.  Abth.  2.  S  799.
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