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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

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Das  Arabische  kann  dies  sogar  auf  zwei  Objecte,  ein  näheres
und  ein  entfernteres  ausdehnen  >)•
Oie  Form  der  Pronominalsuffixe,  welche  dabei  angewendet
werden,  ist  mit  jener  der  Possessivsuffixe  identisch,  ein  Beweis,  dass
auch  dieser  Process  ein  alterthümlicher  ist  und  nicht  etwa
durch  Zusammenrückung  der  einzelnen  Elemente  in  späterer  Zeit
entstanden  sein  kann.

G.  Die  Entwicklungsgeschichte  beider  Sprachstämme.
In  der  Entwicklung  bestellt  zwischen  Indogermanisch  und
Semitisch  ein  Gegensatz,  wie  er  tiefer  und  einschneidender  kaum
gedacht  werden  kann.
Die  semitischen  Sprachen  gleichen  einem  aus  Granit  aufgeführten ­
  Bauwerke,  das  allen  äusseren  Einflüssen  trotzt  und  sich
immerwährend  unversehrt  erhält.  Durch  die  scharfe  Articulation  der
Spraclilaute  und  das  Vorwalten  gutturaler  Consonanten,  sowie  des
den  Gutturalen  am  meisten  verwandten  a-Vocales  sind  die  semitischen
Formen  schon  in  ihren  Elementen  mehr  geschützt,  als  die  der  anderen
Sprachen.  Dazu  kommt  noch  der  Bau  der  Silbe,  welcher  weder  im
Anlaut  noch  im  Auslaute  Anhäufungen  von  Consonanten  duldet,  in
denen  vornehmlich  der  Grund  der  Zersetzung,  welche  wir  innerhalb
des  Sprachlebens  wahrnehmen,  gesucht  werden  muss.
Der  Umfang  der  Worte  ist  innerhalb  der  semitischen  Sprachen
sehr  massig 1 ;  so  langgedehnte  Formen,  wie  wir  ihnen  innerhalb  der
indogermanischen  Sprachen  gar  nicht  selten  begegnen,  sind  hier  nicht
zulässig.  Der  Accent  scheint  so  weit  als  möglich  vom  Ende  sich
entfernt  zu  haben,  d.  h.  er  stund,  da  die  meisten  Formen  der  Sprache
dreisilbig  waren,  sofern  er  von  einer  langen  vorletzten  Silbe  nicht
festgehalten  wurde,  auf  der  drittletzten  Silbe.
Durch  den  mässigen  Umfang  wurden  die  Formen,  da  im  Geiste
einer  flectirenden  Sprache  jedem  Worte  nur  ein  Hauptaccent
zukommt,  wunderbar  conservirt.

1 )  Wenn  die  mittel-  und  neupersischen  Dialekte  verbale  und  nominale  Pronoininal-Suflixe
  zeigen,  so  ist  dies  auf  den  Einfluss  im  ersten  Falle  der  aramäischen  Sprachen,
im  letzteren  des  Arabischen  zurückzufiihren.
            
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