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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

Indogermanisch  und  Semitisch.

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Was  das  Verbum  betrifft,  so  wird  sein  Bau  im  Semitischen,  wie
im  Indogermanischen  von  dem  Gegensätze  der  momentanen,  vollendeten ­
  und  der  sich  entwickelnden,  dauernden  Handlung  beherrscht.
In  der  Ausführung  weichen  aber  Indogermanisch  und  Semitisch  von
einander  ab.  Das  Semitische  kennt  nur  zwei  auf  den  eben  berührten
Gegensatz  basirte  Formen,  welche  äusserlich  durch  die  verschiedene
Weise  der  Verbindung  der  Formelemeute  (Pronominalelemente)  mit
dem  Stoffelemente  (dem  Verbalstamme)  gekennzeichnet  sind.  Jene
Form,  welche  zum  Ausdrucke  der  vollendeten  Handlung  dient,  wird
durch  Suffixe,  jene  dagegen,  welche  zum  Ausdrucke  der  sich  entwickelnden ­
  Handlung  bestimmt  ist,  wird  durch  Präfixe  gebildet.
,  Diesem  einfachen  Bau  gegenüber,  in  welchem  von  einer  näheren
Bezeichnung  der  Zeit  und  Modalität  der  Handlung  vollkommen  Umgang ­
  genommen  ist,  hietet  das  Indogermanische  einen  reich  entwickelten ­
  Verbalausdruck  dar.  Neben  den  beiden  den  oben  erwähnten
semitischen  Formen  entsprechenden  Stämmen,  dem  Präsens-  und
Aoriststamme,  kommt  noch  ein  aus  dem  Bereich  des  Präsens  (III.  Classe
im  Sanskrit)  sich  herauslösender  Perfectstamm  in  Anwendung  und
werden  Gegenwart,  Vergangenheit  und  Zukunft,  sowie  WOnsch,
Möglichkeit  und  andere  der  Handlung  anklebende  Aceidentien  innerhalb ­
  der  Verbalform  durch  lautliche  Exponenten  bezeichnet.
Das  Verbum  kann  im  Indogermanischen  durch  Vortritt  gewisser
Partikeln  determinirt  werden.  Diese  Partikeln,  obschon  ein  Theil
derselben  aus  tlectirten  Nominalformen  besteht,  deren  Bedeutung
abgeblasst  ist,  sind  meistens  reine,  auf  bestimmte  räumliche  und
zeitliche  Verhältnisse  hinweisende  Formelemente  und  in  diesem  Sinne
dem  Indogermanischen  eigenthümlieh.  Das  Semitische  entbehrt  derselben ­
  und  muss  sie  innerhalb  des  Satzes  durch  concrete  Nominalformen ­
  und  innerhalb  des  Verbums  durch  den  Proeess  der  Wortbildung ­
  ersetzen.
F.  Die  Wortzusammensetzung.
Die  Wortzusammensetzung  (Composition)  ist  ein  Übergriff  des
Wortes  in  den  Satz.  Es  gibt  bekanntlich  viele  Sprachen,  bei  denen
die  Scheidung  von  Satz  und  Wort  gar  nicht  durchgedrungen  ist.
Das  Indogermanische  ist  darin  sehr  massvoll,  indem  es  nur  jene
            
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