184
Phillips
aufgefasst worden sind •). Wir halten uns auch bei der weiteren
Darstellung um der leichteren Anordnung willen an die von Boudard
angenommene Reihenfolge und somit auch an die von ihm festgestellte
Buchstabenzahl, nicht minder auch an die Bedeutung und Aussprache,
welche er den einzelnen Buchstaben beigelegt bat und werden unsere
Einwendungen und Bedenken erst an den uns geeignet scheinenden
Stellen geltend machen. Obschon unsere Untersuchungen wesentlich
auf den Resultaten beruhen, welche die Wissenschaft der Numismatik
zu Tag gefördert hat, so vermögen wir natürlich doch nicht
uns auf eigentliche Fragen der Münzkunde einzulassen; nur so viel
sei bemerkt, dass ein grosser Theil der iberischen Münzen in die
1 ) Was hier zunächst Libeco anbetrifft, welche Leg 1 . Boudard (Numisinatique Iberienne
p. 229) mit Saussaye einem an einer Mündung der Rhone angesiedelten Volke,
Lybici, zuschreibt, so ist sie zwar ohne Zweifel echt, aber sie ist nicht iberisch.
Die Exemplare, welche Boudard und seinen Vorgängern zu Gesicht gekommen
sind, und deren Fundorte nicht näher angegeben sind, rühren aller
Wahrscheinlichkeit nach von dem Münzfunde zu Burwein in Graubünden her. Vgl.
Mommsen, die nordetruskischen Alphabete auf Inschriften und Münzen (Mittheilungen
der antiquarischen Gesellschaft in Zürich. Bd. 7. S. 203. u. ff.) Unter
dieser Voraussetzung ist die Legende als nordetruskisch anzusehen und nicht
„Libeko“, sondern “Piruko(s) u zu lesen. Mommsen, a. a. 0. S. 205. Noch
bedenklicher möchte es mit dem Iberianismus der Legende „Ptop u stehen, bei
welcher Boudard (a. a. 0. p. 267) an eine von dem Anonym. Ravenn. erwähnte
Stadt Petavium gedacht hat, die in der Nähe von Telo Martius (Toulouse) gelegen
war. Es waltet kein Zweifel ob, dass die Legende der Vorderseite der betreffenden
Münze durchaus keltisch ist; je nach Verschiedenheit der Exemplare finden sich
mehrere keltische Mannesnamen BIUKIOC (Legende 6) AOVKOTIOC (Boudard
a. a. 0. p.269) oder K0T1KVN0V, für welche sich viele Analogien auf Münzen und
Inschriften finden. S. Mommsen a. a. 0. — Becker, die inschriftlichen
Überreste der keltischen Sprache, N. 2 (hei Kuhn und Schleicher, Beiträge
zur vergleichenden Sprachforschung. Bd. 1. S. 162). N. 15. S. 170. Vgl. ebend.
S- 191. u. ff. S. 195. Für unsern Zweck ist die Rückseite wichtiger. Das Wort
„Ptop u findet sich nicht auf allen Exemplaren, wohl aber die mehr oder minder
vollständige griechische Legende: AOIT'OCTA -AIITojN (Leg. 39). Das Wort
„Ptop“ geht dieser entweder voran, oder ist, als eine besondere Zeile bildend, vor
AHTojN gestellt. Letzteres erinnert an MASSAAIHTßN auf massaliotischen
Münzen. S. Mommsen a. a. 0. S. 231. Note 24. S. 205. N. 38. Die weitere
Deutung jenes Wortes muss den Numismatikern überlassen bleiben. Was aber
„Ptop a anbetrifTt, so hätten wir darüber zwei Vermuthungen, von denen wir die
erstere kaum auszusprechen wagen. Boudard bringt a. a. 0. p. 247 folgende
Inschrift: