178
Phillips
IV.
Herstellung eines iberischen Alphabets.
Unseres Wissens hat sich noch Niemand in Deutschland eingehend
mit dem iberischen Alphabete befasst. Was Gesenius
darüber mittheilt 1 ), enthält viele Unrichtigkeiten: er führt Th als
einen iberischen Buchstaben an und doch fehlt derselbe in jenem
Alphabet ganz und gar; er bezeichnet ferner das Q durchaus unrichtig
mit dem Zeichen 9, welches das Iberische als 0 kennt, während jener
Buchstabe in der Gestalt X erscheint; er berücksichtigt endlich den
häufig vorkommenden Buchstaben gar nicht, und gibt statt seiner
ganz ändere Zeichen als dem phönizisehen Schin entsprechend an. Nach
seiner Classification, beziehungsweise Genealogie der aus dem phönizischen
entsprungenen Alphabete, scheint Gesenius das der Iberer
dem altgriechischen und dessen Tochteralphabeten (etruskisch,
umbrisch, oskisch und sabinisch) unterordnen zu wollen 2 ), was doch
keineswegs zuzugeben sein dürfte 3 ).
Das Verdienst, ein iberisches Alphabet und zwar mit Hülfe der
Numismatik hergestellt zu haben, gebührt dem Franzosen B o u d a r d;
eine viel geringere Ausbeute als die angegebene Wissenschaft hat
bisher die Epigraphik geliefert. Die in Aussicht gestellten viel verheissenden
Arbeiten des Spaniers Delgado 4 ) sind noch nicht
erschienen; auch Boudard ist in seinen verdienstlichen Untersuchungen
unterbrochen worden 5 ). Die Arbeiten des zuletzt
genannten Autors haben indessen bereits zu so günstigen Resultaten
in dieser Beziehung geführt, dass man von diesen, was das
Alphabet betrifft, als von einem ziemlich sicheren Fundamente
1 ) Gesenius, Scripturae linguaeque phoeniceae Monumenta Tab. 2.
3 ) Gesenius, I. c. p. 64.
3 ) Über Grotefon d, s. unten S. 20.
4) E. Hübner, Epigraphische Reiseberichte in den Monatsberichten der k. preus.
Akad. der Wissenschaften. 1861. S. 75S. Nach einer gütigen Mittheilung desselben
Gelehrten ist eine baldige Publication leider nicht zu hoffen.
5 ) S- unten Note 12.