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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

Über  das  iberische  Alphabet.

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merium  < 6 )  nicht  für  die  Zusammenstellung  von  g  und  l,  weil  durch
die  Münzlegende  Kantomir  die  Variante  TavSögipov  bei  Ptolomäus
und  Gandomerium  beim  Anonymus  Ravennas  unterstützt  wird.
Dagegen  lässt  sich  nicht  in  Abrede  stellen,  dass  Bortz  (Bursao,
dessen  Humhol  dt  nicht  gedenkt)  einen  Wiederhall  in  dem  baskischen
  Zahlworte  bortz,  welches  „fünf“  bedeutet,  findet.
Die  Römer  trafen  demnach  in  den  Iberern  auf  ein  Volk,  welches
in  seiner  Sprache  noch  einen  ziemlich  „unverwelkten“  Vocalismus
bewahrt  hatte  17 ).  Es  mochte  daher  derselbe  an  Volltönigkeit  nicht
viel  der  „Sprache  der  arischen  Inder  in  jenen  Zeiten“  nachgestanden
haben,  „als  sie  zuerst  imPendschab  dem  Indra  ihreHymnen  sangen“;
oh  er  sich  zu  der  „weichen  vielstimmigen  Harmonie“  ausgebildet
habe,  „wie  diese  in  der  griechischen  Sprache  in  dem  Zeitalter  sich
entwickelt  hatte,  als  die  Hellenen  mit  ihren  Pflanzstätten  die  Küsten
Kleinasiens  bedeckten,  die  Seeherrschaft  der  Phönizier  brachen  und
ihre  Lieder  sangen  von  Troja’s  Fall  und  der  Heimfahrt  der  Helden“,
mag  dahingestellt  bleiben.  Unter  allen  Umständen  befand  sich  die
iberische  Sprache  damals  als  die  Römer  nach  Hispanien  kamen,
noch  in  einem  Stadium,  welches  den  Sprachformen  im  Zeitalter  der
Sprachenscheidung  noch  sehr  viel  näher  stand,  als  dies  bei  anderen
Sprachen,  mit  welchen  die  Römerin  Berührung  kamen,  der  Fall  war,
ein  Umstand,  der  auf  eine  gewisse  Isolirung  der  Iberer  hinzuweisen
scheint iS ).
Dadurch,  dass  die  Römer  in  der  vorhin  geschilderten  Weise  die
Originalität  der  iberischen  Namen  der  Unzulänglichkeit  ihrer  Sprachwerkzeuge
  oder  ihrer  Bequemlichkeit  zum  Opfer  brachten,  haben  sie
das  Eindringen  in  die  wenigen  noch  erhaltenen  iberischen  Sprachigste ­
  sehr  erschwert.  Um  so  mehr  verdienen  daher  die  alten  Münzlegenden ­
  Aufmerksamkeit,  als  sie  vorzüglich  zur  Kenntniss  des
iberischen  Alphabetes  verhelfen.

* ß )  Humboldt,  a.  a.  0.  S.  22.
17 )  Vgl.  Corssen,  (S.  II.  Note  12);  aus  diesem  Werke  sind  die  im  Texte  nachfolgenden ­
  mit  Anführungszeichen  „  “  versehenen  Worte  entnommen.
18 )  Noch  Tacit.  Annal.  IV.  4o.  bezeichnet  die  Iberer  als  barbari.
Sitzb.  d.  phil.-hist.  CI.  LXV.  Bd.  II.  Hft.

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