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Müller
E. Die Wortkategorien.
In beiden Spraehstämmen gehen alle Redetheile, welche die
Sprache kennt, in den beiden Gruppen: Nomen (arab. ^l) und Verbum
(arab. Jjis) auf. Jeder Redetheil, sofern er nichtNomen oder Verbum
ist, ist von einem oder dem andern derselben abgeleitet. Die alten,
sowohl indogermanischen als semitischen Grammatiker waren dieser
Erkenntniss sehr nahe: wäre ihnen das Wesen der vergleichenden
und historischen Grammatik aufgegangen, so hätten sie ohne Zweifel
das Richtige gefunden.
Was das Nomen betrifft, so kommt im Indogermanischen dem
Substantiv, dem Pronomen der dritten Person und auch dem Adjectiv,
sofern es mit dem Substantiv in Congruenz gesetzt wird, die Bezeichnung
des grammatischen Geschlechtes (Genus) zu. Dieses ist im
Indogermanischen ein dreifaches, nämlichMasculinum, Femininum
und Neutrum; jedes derselben hat seinen ihm eigentümlichen sprachlichen
Exponenten.
Das Semitische kennt auch ein grammatisches Geschlecht, aber
einerseits nicht in demselben Umfange, indem nur zwei Kategorien
sich finden, welche dem Masculinum und Feminino-Neutrum entsprechen,
andererseits kommt die Bezeichnung des grammatischen
Geschlechtes nicht nur dem Substantivum, Adjectivum und Pronomen
der dritten Person, sondern auch dem Pronomen der zweiten Person
zu. — Aber auch im Verbum finden wir an den Formen der zweiten
und dritten Person das Genus bezeichnet, während im Indogermanischen
von einer Genusbezeichnung am Verbum keine Spur vorhanden
ist.
Beiden Spraehstämmen ist eine im Geiste flectirender Sprachen
gebildete Zahlbezeichnung sowohl am Nomen als auch am Verbum
eigen; beide haben drei Kategorien der Zahl, nämlich Singular, Dual
und Plural entwickelt. In Betreff der Casusformen findet sich
zwischen Indogermanisch und Semitisch eine grosse Abweichung.
Während die älteste Form des Indogermanischen, die uns bekannt
ist, acht grösstentheils von einander lautlich verschiedene Casusbildungen
zeigt, lassen sich im Semitischen höchstens drei verschiedene
Casusformen, ich will nicht sagen nachweisen, aber doch,
aus den vorhandenen Spuren zu schliessen, annehmen.