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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

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Müller

E.  Die  Wortkategorien.
In  beiden  Spraehstämmen  gehen  alle  Redetheile,  welche  die
Sprache  kennt,  in  den  beiden  Gruppen:  Nomen  (arab.  ^l)  und  Verbum
(arab.  Jjis)  auf.  Jeder  Redetheil,  sofern  er  nichtNomen  oder  Verbum
ist,  ist  von  einem  oder  dem  andern  derselben  abgeleitet.  Die  alten,
sowohl  indogermanischen  als  semitischen  Grammatiker  waren  dieser
Erkenntniss  sehr  nahe:  wäre  ihnen  das  Wesen  der  vergleichenden
und  historischen  Grammatik  aufgegangen,  so  hätten  sie  ohne  Zweifel
das  Richtige  gefunden.
Was  das  Nomen  betrifft,  so  kommt  im  Indogermanischen  dem
Substantiv,  dem  Pronomen  der  dritten  Person  und  auch  dem  Adjectiv,
sofern  es  mit  dem  Substantiv  in  Congruenz  gesetzt  wird,  die  Bezeichnung ­
  des  grammatischen  Geschlechtes  (Genus)  zu.  Dieses  ist  im
Indogermanischen  ein  dreifaches,  nämlichMasculinum,  Femininum
und  Neutrum;  jedes  derselben  hat  seinen  ihm  eigentümlichen  sprachlichen ­
  Exponenten.
Das  Semitische  kennt  auch  ein  grammatisches  Geschlecht,  aber
einerseits  nicht  in  demselben  Umfange,  indem  nur  zwei  Kategorien
sich  finden,  welche  dem  Masculinum  und  Feminino-Neutrum  entsprechen, ­
  andererseits  kommt  die  Bezeichnung  des  grammatischen
Geschlechtes  nicht  nur  dem  Substantivum,  Adjectivum  und  Pronomen
der  dritten  Person,  sondern  auch  dem  Pronomen  der  zweiten  Person
zu.  —  Aber  auch  im  Verbum  finden  wir  an  den  Formen  der  zweiten
und  dritten  Person  das  Genus  bezeichnet,  während  im  Indogermanischen ­
  von  einer  Genusbezeichnung  am  Verbum  keine  Spur  vorhanden ­
  ist.
Beiden  Spraehstämmen  ist  eine  im  Geiste  flectirender  Sprachen
gebildete  Zahlbezeichnung  sowohl  am  Nomen  als  auch  am  Verbum
eigen;  beide  haben  drei  Kategorien  der  Zahl,  nämlich  Singular,  Dual
und  Plural  entwickelt.  In  Betreff  der  Casusformen  findet  sich
zwischen  Indogermanisch  und  Semitisch  eine  grosse  Abweichung.
Während  die  älteste  Form  des  Indogermanischen,  die  uns  bekannt
ist,  acht  grösstentheils  von  einander  lautlich  verschiedene  Casusbildungen ­
  zeigt,  lassen  sich  im  Semitischen  höchstens  drei  verschiedene ­
  Casusformen,  ich  will  nicht  sagen  nachweisen,  aber  doch,
aus  den  vorhandenen  Spuren  zu  schliessen,  annehmen.
            
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