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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

Über  das  iberische  Alphabet.

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sei 4 ).  Dem  ähnlich  bemerkt  Pomponius  Mein 5 ),  dass  es  bei
den  Cantabrern  verschiedene  Völker  gebe,  deren  unverständliche
Namen  ein  römisches  Ohr  nicht  in  sich  aufnehmen  könne.
Eigentlich  darf  man  sich  über  ein  solches  Verfahren  doch  nicht
gar  zu  sehr  verwundern;  spätere  Zeiten  haben  es  darin  nicht  besser
gemacht.  Wer  erkennt  noch  in  Grenoble:  Grätianopolis,  in
Passau:  Batava  castra,  in  Wels:  Ovilahis,  in  Sarragossa:
Caesaraugusta?!  Und  wie  werden  noch  heut  zu  Tage  neu  bekannt
werdende  Namen  in  der  Schrift  wiedergegeben,  der  Aussprache  derselben ­
  gar  nicht  zu  gedenken,  die  sich  jedes  Volk  eben  nach  seinen
Sprachwerkzeugen  zurecht  macht;  ein  Verfahren,  worin  bekanntlich ­
  die  Engländer  alle  anderen  Völker  übertreffen  B ).
Um  aber  nunmehr  der  Schicksale  zu  gedenken,  welche  die
iberischen  Namen  erfuhren,  so  muss  man  in  der  That  doch  ein
billiges  Urtheil  über  die  Aussprache  derselben  durch  die  Römer
fällen.  Denn,  man  wird  anerkennen  müssen,  dass  so  manche  dieser
Namen  gerade  wegen  ihres  Vocalismus  den  Römern  ganz  unüberwindliche ­
  Schwierigkeiten  boten.  Auch  Humboldt  hat  dies,  obschon ­
  er  solcher  echt  iberischer  Namen  nur  wenige  kannte,  ganz
richtig  geahnt;  in  der  That,  es  gab  Namen,  welche  den  römischen
Ohren  noch  viel  widerwärtiger  klingen  mussten"),  als  die  in  dieser
Beziehung  von  Strabo  hervorgehobenen.  Dieser  Schriftsteller
beendet  seine  Aufzählung  iberischer  Volksnamen  mit  den  Worten 8 ):
4 )  Plin.  I.  c.  Lib.  IV.  cap.  11:  quos  nominare  non  pigeat.
5 )  Pompon.  Mela  Geogr.  Lib.  III.  cap.  15.  Ähnlich  wie  diese  Autoren  drückt  sich
der  Rhetor  Maximus  aus  Madaura  über  die  punische'Sprache  aus,  von  welcher  er
sagt,  dass  die  Namen  der  punischen  Bekenner  „diis  hominibusque  odiosa
nomina“  seien.  S.  August.  Epist.  16.  p.  2.
G )  Den  Namen  eines  bekannten  deutschen  Gelehrten  hörte  man  in  England  aussprechen: ­
  Skäfhäjutel  und  den  des  berühmten  Fürsten  von  Wahlstatt:
Blu  ts  ch  e  r.
7 )  Wir  glauben  Humboldt  darin  nicht  beipflichten  zu  dürfen,  wenn  er  (Untersuchungen ­
  S.  35.  Note  31)  annimmt,  dass  den  Römern  die  iberischen  Namen  doch
leichter  auszusprechen  gewesen  seien,  als  die  keltischen.
8 )  Strabo,  Geograph.  Lib.  III.  cap.  3.  n.  8.  (edit.  Paris.  1853.  p.  29.)  —  Lucian,
wenn  er  anders  der  Autor  der  Nekromantie  ist,  tadelt  die  Bedeulunglosigkeit  und
Vielsylbigkeit  der  barbarischen  Namen.  Vgl.  Humboldt,  Untersuchungen  S.  5.
der  nach  Zusammenstellung  dieser  Äusserungen  bemerkt:  „so  möcen  sie  (die
alten  Schriftsteller)  wohl  manche  von  ihnen  aufgenommene  (Namen)  abgekürzt  und
nicht  blos  dem  griechischen  oder  römischen  Organ,  sondern  auch  wirklich  Wörtern
ihrer  Sprache  gemäss  gebeugt  haben“.
            
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