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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

Über  das  iberische  Alphabet.

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Aber  es  lässt  sich  nicht  leugnen,  dass  Humboldt  doch  noch  etwas
zu  viel  unter  dem  Einflüsse  jenes  gelehrten  Astarloa  stand 11 ),  der
zwar  besonnerer  als  die  meisten  seiner  Vorgänger  und  als  einzelne
neuerebaskische  Schriftsteller,  sich  doch  zu  manchen  weit  hergeholten
und  nicht  ganz  zutreffenden  Namenserklärungen  bewegen  Hess.
Wir  wissen  eben  von  dem  Iberischen  blutwenig  und  von  dem  Wenigen ­
  das  Meiste  nur  durch  römische  Überlieferung,  um  nicht  zu  sagen
durch  römische  Verunstaltung.  Es  war  daher  auch  nicht  möglich,
irgend  welche  feste  Prinzipien  über  das  Verhältnis  des  iberischen
Lautsystems  zu  dem  römischen  aufzustellen.  So  kann  es  auch  leicht
kommen,  dass  zu  einer  römischen  Wortform  eines  iberischen  Namens
ein  modernes  baskisches  Wort  zu  passen  scheint,  während,  wenn
man  wirklich  einmal  einen  richtigen  iberischen  Namen,  z.  B.  durch
eine  Münze  kennen  lernt,  dieser  sich  unter  jene  baskische  Erklärung
durchaus  nicht  fügen  will.  Allerdings  kann  solchen  Erklärungsversuchen ­
  bin  und  wieder  auch  der  Umstand  zu  Gute  kommen,  dass
die  baskische  Sprache  sicherlich  selbst  das  Schicksal  gehabt  hat,
sich  unter  römischem  und  dann  unter  dem  in  gleicher  Weise  wirkenden ­
  romanischen  Einflüsse  in  ihrem  Lautsystem  vielfach  zu
ändern;  dennoch  könnte  auch,  wenn  ihr  das  Iberische  zum  Grunde
liegt,  die  Erscheinung  leicht  eintreten,  dass  im  heutigen  Baskischen
ein  Wort  ganz  anders  als  ursprünglich  lauten  und  desshalb  schwer
erkennbar  sein  würde.  Im  heutigen  Baskischen  trifft  man  eine  nicht
gerade  unangenehm  klingende  Gruppirung  der  Laute  an,  während  die
iberische  Sprache  mit  ihrem  ganz  alterthümlichen  Vocalismus  u )
uns  wohl  eben  so  wenig,  als  den  Römern  angenehm  lauten  dürfte.
Was  aber  jenen  Einfluss  fremder  Sprachen  auf  das  Baskische  betrifft,
so  müssen  wir  uns  schon  bei  dieser  Gelegenheit  ganz  entschieden
gegen  die  Ansicht  erklären,  als  ob  das  Baskische  eine  durchaus  reine
und  ungetrübte  Sprache  sei  is)-  So  rein  sie  in  ihrem  Organismus
ist,  so  bunt  gemischt  ist  sie  in  ihrem  Wortschatz,  so  zwar,  dass  man

1  Vergl.  E.  Hübner,  Epigraphische  Reisemiltheilungen  in  den  Monatsberichten  der
k.  preuss.  Akademie  der  Wissenschaften.  1861.  S.  7o5.
!2)  y er gi.  Corssen,  Über  Aussprache,  Vocalismus  und  Betonung  der  lateinischen
Sprache.  2.  Aufl.  S.  347.
13 J  Vergl.  Vinson,  Notes  sur  la  declinaison  hasque  (Revue  de  linguistique.  Tom.  IIf.
p.  5).
            
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