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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

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Phillips

An  die  Beschäftigung  mit  der  merkwürdigen  Sprache  des  durch
seine  Eigentümlichkeiten  sehr  ausgezeichneten  Volkes  knüpfte  sich
für  den  Verfasser  bald  eine  ganze  Reihenfolge  historischer,  ethnographischer ­
  und  linguistischer  Fragen  an.  Wann  und  woher  ist
dieser  Volksstamm,  dessen  Physiognomie  fast  ein  semitisches  Gepräge
hat,  in  die  pyrenäische  Halbinsel  eingewandert?  Sind  die  heutigen
Basken  wirklich,  wie  seit  W.  v.  Humboldt  ziemlich  allgemein
angenommen  wird,  die  Nachkommen  der  alten  Iberer,  die  für  die
Ureinwohner  Hispaniens  gelten?  Lässt  sich  ein  solcher  Zusammenhang
durch  die  Vergleichung  der  iberischen  und  der  baskischen  Sprache
erweisen?  Zu  welchem  grösseren  Volksstamme  gehören  als  Zweig
die  Iberer?  Welches  ist  insbesondere  ihr  Verhältniss  zu  den  Kelten,
zu  den  Phöniziern  oder  zu  irgend  einem  derjenigen  Völker,  die  man
mit  Recht  oder  Unrecht  unter  der  gemeinsamen  Bezeichnung  des
turanischen  Stammes  zusammengefasst  hat?  u.  s.  w.  Die  Versuche,
auf  diese  verschiedenen  Fragen  wenigstens  einigermassen  entsprechende ­
  Antworten  zu  geben,  machten  wiederum  ganz  andere
Forschungen  nöthig,  welche  über  das  Gebiet  der  baskischen  Sprache
als  solcher  weit  hinausgehen  mussten;  insbesondere  war  es  erforderlich, ­
  auch  die  Numismatik  wenigstens  insoferne  zu  Rathe  zu  ziehen,
als  hier  die  Legenden  altiberischer  Münzen  Aufschlüsse  geben
konnten.  So  waren  zugleich  Urzeit  und  Gegenwart  neben  einander
ins  Auge  zu  fassen.  Um  aber  das,  was,  wie  die  alten  Iberer  und  die
Basken,  durch  eine  so  grosse  Kluft  der  Zeit  geschieden  ist,  nicht  zu
vermengen  und  auch,  um  jede  vorgefasste  Meinung  möglichst  fern
zu  halten,  haben  wir  uns  hei  der  wissenschaftlichen  Bearbeitung  der
hier  in  Betracht  kommenden  Gegenstände  durch  das  Prinzip  leiten
lassen,  einstweilen  Iberisch  und  Baskisch,  so  viel  es  irgend  statthaft
ist,  in  den  nachfolgenden  Abhandlungen  gänzlich  von  einander  zu
trennen  und  Jedes  für  sich  zu  behandeln.
Es  ist  demgemäss  die  Absicht  des  Verfassers,  hier  zunächst  eine
Abhandlung  über  einen  völlig  isolirten  Gegenstand  vorzulegen,  nämlich ­
  über  das  iberischeAlphabet  und  auf  diese  dann  späterhin  andere
folgen  zu  lassen.  Mit  diesen  wissenschaftlichen  Versuchen  verbindet
er  die  Absicht,  das  Interesse,  welches  in  Deutschland  weder  an
dem  Iberischen  noch  an  dem  Baskischen  bisher  ein  sehr  lebhaftes
gewesen  ist,  anzuregen,  ja  gewissermassen  die  Sprachforscher  vom
Fache  durch  Ilerheischalfung  von  Material  zu  der  gehörigen  Lösung
            
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