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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

Indogermanisch  und  Semitisch.

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D.  Das  Wort.
Die  Bildung  des  Wortes  aus  der  Wurzel  geht  in  beiden  Spraehstämmen
  sowohl  durch  äussere  als  auch  durch  innere  Mittel
vor  sich.
Unter  den  ersterCn,  den  äusseren  Mitteln,  begreifen  wir  die
Verbindung  der  Pronominalwurzeln  mit  den  Verbalwurzeln.  Im  Indogermanischen ­
  wird  stets  die  Pronominalwurzel  an  die  Verbalwurzel
angehängt;  das  Indogermanische  kennt  also,  was  die  Stellung  der
formalen  Elemente  zu  den  stofflichen  anbelangt,  nur  Suffixe.
Anders  das  Semitische.  Dieses  gestattet  nicht  nur  wie  im  Indogermanischen, ­
  Anfügung  der  formalen  Elemente  an  die  stofflichen,
sondern  auch  Vorsetzen  der  ersteren  vor  die  letzteren,  d.  h.  es
kennt  nicht  nur  Suffixe,  sondern  auch  Präfixe.
Unter  den  inneren  Mitteln  der  Wortbildung  begreifen  wir  die
Veränderung  der  Wurzelvocale.  Das  Indogermanische  lässt
bekanntlich  in  Verbindung  mit  dem  äusseren  Mittel  der  Suffigirung
auch  eine  Affection  desVocals  der  Wurzel  eintreten,  wodurch  derselbe
gesteigert,  d.  h.  a  bald  zu  a,  bald  zu  ä,  i  zu  ai,  u  zu  au  erhoben
wird.  Diese  Steigerung  bewegt  sich  stets  innerhalb  der  Sphäre  des
ursprünglichen  Vocals;  aus  i  kann  nur  ai,  aus  u  kann  nur  au  werden,
nicht  aber  kann  cd  aus  u  oder  au  aus  i  entstehen.
Anders  das  Semitische.  Hier  wird  nicht  auf  die  Sphäre  des
ursprünglichen  Vocals  Rücksicht  genommen,  sondern  jener  Vocal,
der  durch  das  Gesetz  eines  bestimmten  Typus  gefordert  wird,  muss
ohne  Rücksicht  auf  den  primitiven  Vocal,  wenn  im  Semitischen  überhaupt ­
  von  einem  solchen  die  Rede  sein  kann,  eintreten.
Während  also  das  Indogermanische  aus  der  Wurzel  lik  laik-a
(griech.  Xotzr-ö-)  bildet,  aus  der  Wurzel  buclh  baudh-a,  bildet  das
Semitische  von  Jls  (katala)  —  (katilun),  von  öj>-  (haziua)
—  (hazinun),  von  (hasuna)  —  (hasinunj,  von
(katala)—(ma-ktülun),  von  (hazina)  —
(mahzünun).
            
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