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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

Untersuchungen  auf  d.  Gebiete  der  Pronomina,  besonders  derlateinischen.  153
schon  an  sich  negativ  sind,  beschränkt;  auch  jetzt  ist  es  unmöglich
zu  sagen  „zädny  prisel“,  sondern  man  muss  eben  sagen  „zädny
neprisel“.  Nur  in  Antworten  kann  scheinbar  zädny  absolut
negierend  stehen  z.  B.  „Videl  jsi  nekoho?  Zädneho  (hast  du  Jemand
gesehen?  Niemand).  Nur  scheinbar  ist  dies,  weil  in  der  Antwort
zu  „zädneho“  idcht  das  positive  „videl  jsem“  zu  ergänzen  ist,  sondern
das  negative  „nevidel  jsem“.
Für  die  angenommene  indefinite  Bedeutung  des  zädny  sind
wichtige  Belege  unter  den  von  Jungmann  angeführten  Stellen
folgende:  Syr.  29,  14  poklad  ten  lepsf  bilde  nezli  zädne  zlato  =  thesaurus
  hic  melior  erit  quam  quodvis  aurum  (quivis  gebraucht  auch
Jungmann  hier  zur  Erklärung).  Stele,  cär.z.  6.  pronikavejsi  jest  (rec)
nezli  zädny  mec  z  obou  stran  ostry  =  acrior  est  (sermo)  quam  quilibet
  gladius  anceps.  Vlk.  165  a  to  stoji  vice  nezli  zädne  maloväm
=  hoe  pluris  est  quam  quaevis  pictura.  Diese  Stellen  zeigen  alle
eine  Constructiori  (nezli  nach  dem  Comparativ),  die  der  deutlichen  Erhaltung ­
  der  indefiniten  Geltungvon  zädny  günstig  war.  Wichtig  ist  auch
die  alte  (jetzt  ungebräuchliche)  Verbindung  i  zädny  (jetzt  sagt  man
ani  zädny  =  ne  ullus  quidem)  ;  i  ist  hier  steigernd  =  etiam;  also  z.  B.
die  von  Jungmann  angeführte  Stelle  (aus  der  Übers,  von  Cato’sdist.  de
mor.)  „izAdnernu  se  neposmevaj“  wörtlich  =  etiam  quemlibet  ne  irrideas
  (auch  wen  immer  verlache  nicht),  d.  i.  also  =  ne  ullum  quidem
irrideas.  Ebenso  „aby  jedenäete  dnuv  i  zädneho  poltrmu  nedävali“
wörtlich  =  ut  per  undecim  dies  etiam  quemvis  cibum  ne  darent
d.  i.  =  ne  vel  minimum  cibi  darent.
Was  den  zweiten  von  Miklosich  gegen  diese  Auffassung  hervorgehobenen ­
  Grund  betrifft,  dass  das  Wort  im  Polnischen  zqden
lauten  müsste,  wie  wirklich  zadny  acceptus  bedeutet,  so  ist  zu
bemerken,  dass  zwischen  den  reinen  und  den  mit  demRhinesmus  versehenen ­
  Vocalen  nicht  selten  ein  Schwanken  stattfindet.  Vergl.  die
von  Miklosich  (1,  S.  53)  aus  der  „ksiazecka  do  naboz.  swietej  Jadwt“
(welche  Schrift  „dem  vierzehnten,  wo  nicht  dem  dreizehnten  Jahrhundert ­
  zuzuschreiben  ist“)  angeführten  Beispiele,  ferner  Mild.
I,  S.  454.  Von  entscheidendem  Gewicht  aber  ist  in  dieser  Frage  der

Erklärung-  der  Entstehung  von  „zadny  neprisel“  aus  „nizndny  neprisel“  durch
Wegfall  des  ni  desshalb  nicht  wahrscheinlich  ist,  weil  nizädny  sich  in  älterer  Zeit
verhältnissmiissig  gegenüber  zädny  selten  findet.
            
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