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die negative Geltung beibehielt. Zu genauerer Begründung von Jungmann’s
Ansicht bemerke ich folgendes:
Die Bedeutung exoptatus, carus darf nicht urgiert werden; es
ist vielmehr anzunehmen (was sich auch beweisen lässt; vergl. die
unten angeführten Stellen), dass die Bedeutung „lieb“ in die Bedeutung
„beliebig“ iibergieng, so dass zäden, zädny so ziemlich dem
lat. quilibet, quivis gleichkam (in welchen Wörtern ja auch der
zweite Bestandtheil nicht zu urgieren ist, da die Bedeutung von vis,
libet sich hier abschwächte zu der einer beliebigen Annahme).
So nahm also zädny zunächst die Geltung eines indefiniten positiven
Pronomens an. Die Negation wurde anderweitig ausgedrückt,
nämlich bei dem Verbum. Es wurde also „zädny nepfisel“
gebraucht in dem Sinne quivis non venit d. i. wen du dir auch immer
denken willst, er ist nicht gekommen = irgend ein beliebig angenommener,
sei es welcher immer, ist nicht gekommen = non venit
quisquami). Man sieht, daraus, wie richtig Jungmann in seiner Erklärung
sich des lat. ullus bediente. Die Übertragung des negativen
Moments im Sprachgefühl auf zädny blieb aber stets auf Sätze, die
1) Man könnte annehmen, dass ursprünglich vielleicht nicht bloss beim Verbum die
Negation in solchen Sätzen vorkam, sondern dass aucli dem zädny noch die
Negation vorgesetzt ward, also nizädny, woraus erst durch Abfall von ni das
negative zädny entstanden wäre. Möglich ist dies, aber nicht nothwendig, da zahlreiche
Spuren darauf hinweisen, dass ursprünglich die später freilich zur Regel
gewordene Häufung der Negation nicht nothwendig war, sondern dass eine Negagation
im Satze genügte; vergl. die von Miklosich (Negat. §. 20) unter den für
die Häufung der Neg. angeführten Beispielen vorkommenden Ausnahmen; namentlich
ist zu beachten, dass nach Miklosich im Altbulg. „ne in einer Unzahl
von Fällen nach nikla fehlt“. Ich möchte hier nicht mit Miklosich annehmen, dass
der Grund der Abweichung in dem Bestreben der Übersetzer liegt, sich dem
griech. Texte so genau als möglich anzuschliessen; ich erblicke darin einen berechtigten
Sprachgebrauch (der freilich zurückgedrängt wurde), da sich Ähnliches
auch da findet, wo an eine Nachahmung einer fremden Sprache nicht gedacht
werden kann. Namentlich ist wichtig, dass im Böhmischen in copulativen negativen
Sätzen, wenn statt ani-ani gebraucht wird ani-aniz, im zweiten Satze dann
regelmässig keine Negation mehr vor dem Verbum gesetzt wird. (Zikmund,
skladba S. U3i). Wichtig ist auch das volkstümliche „to je na nie“ (das ist zu
nichts, wofür nicht „to nem na nie“). So wie nun in diesen Fällen eine Negation
ausreichte und beim Verbum die Negation nicht unumgänglich nothwendig war,
so nehme ich umgekehrt an, dass für zädny neprisel“ nicht die Construction
„nizädny neprisel“ als ältere Gebrauchsweise vorausgesetzt werden muss, weil
die eine beim Verbum stehende Negation ausreichte. Ich nehme dies an, da die