Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

152

K  v  {  c  a  1  a

die  negative  Geltung  beibehielt.  Zu  genauerer  Begründung  von  Jungmann’s
  Ansicht  bemerke  ich  folgendes:
Die  Bedeutung  exoptatus,  carus  darf  nicht  urgiert  werden;  es
ist  vielmehr  anzunehmen  (was  sich  auch  beweisen  lässt;  vergl.  die
unten  angeführten  Stellen),  dass  die  Bedeutung  „lieb“  in  die  Bedeutung ­
  „beliebig“  iibergieng,  so  dass  zäden,  zädny  so  ziemlich  dem
lat.  quilibet,  quivis  gleichkam  (in  welchen  Wörtern  ja  auch  der
zweite  Bestandtheil  nicht  zu  urgieren  ist,  da  die  Bedeutung  von  vis,
libet  sich  hier  abschwächte  zu  der  einer  beliebigen  Annahme).
So  nahm  also  zädny  zunächst  die  Geltung  eines  indefiniten  positiven ­
  Pronomens  an.  Die  Negation  wurde  anderweitig  ausgedrückt,
  nämlich  bei  dem  Verbum.  Es  wurde  also  „zädny  nepfisel“
gebraucht  in  dem  Sinne  quivis  non  venit  d.  i.  wen  du  dir  auch  immer
denken  willst,  er  ist  nicht  gekommen  =  irgend  ein  beliebig  angenommener, ­
  sei  es  welcher  immer,  ist  nicht  gekommen  =  non  venit
quisquami).  Man  sieht,  daraus,  wie  richtig  Jungmann  in  seiner  Erklärung ­
  sich  des  lat.  ullus  bediente.  Die  Übertragung  des  negativen
Moments  im  Sprachgefühl  auf  zädny  blieb  aber  stets  auf  Sätze,  die

1)  Man  könnte  annehmen,  dass  ursprünglich  vielleicht  nicht  bloss  beim  Verbum  die
Negation  in  solchen  Sätzen  vorkam,  sondern  dass  aucli  dem  zädny  noch  die
Negation  vorgesetzt  ward,  also  nizädny,  woraus  erst  durch  Abfall  von  ni  das
negative  zädny  entstanden  wäre.  Möglich  ist  dies,  aber  nicht  nothwendig,  da  zahlreiche ­
  Spuren  darauf  hinweisen,  dass  ursprünglich  die  später  freilich  zur  Regel
gewordene  Häufung  der  Negation  nicht  nothwendig  war,  sondern  dass  eine  Negagation
  im  Satze  genügte;  vergl.  die  von  Miklosich  (Negat.  §.  20)  unter  den  für
die  Häufung  der  Neg.  angeführten  Beispielen  vorkommenden  Ausnahmen;  namentlich ­
  ist  zu  beachten,  dass  nach  Miklosich  im  Altbulg.  „ne  in  einer  Unzahl
von  Fällen  nach  nikla  fehlt“.  Ich  möchte  hier  nicht  mit  Miklosich  annehmen,  dass
der  Grund  der  Abweichung  in  dem  Bestreben  der  Übersetzer  liegt,  sich  dem
griech.  Texte  so  genau  als  möglich  anzuschliessen;  ich  erblicke  darin  einen  berechtigten ­
  Sprachgebrauch  (der  freilich  zurückgedrängt  wurde),  da  sich  Ähnliches
auch  da  findet,  wo  an  eine  Nachahmung  einer  fremden  Sprache  nicht  gedacht
werden  kann.  Namentlich  ist  wichtig,  dass  im  Böhmischen  in  copulativen  negativen ­
  Sätzen,  wenn  statt  ani-ani  gebraucht  wird  ani-aniz,  im  zweiten  Satze  dann
regelmässig  keine  Negation  mehr  vor  dem  Verbum  gesetzt  wird.  (Zikmund,
skladba  S.  U3i).  Wichtig  ist  auch  das  volkstümliche  „to  je  na  nie“  (das  ist  zu
nichts,  wofür  nicht  „to  nem  na  nie“).  So  wie  nun  in  diesen  Fällen  eine  Negation
ausreichte  und  beim  Verbum  die  Negation  nicht  unumgänglich  nothwendig  war,
so  nehme  ich  umgekehrt  an,  dass  für  zädny  neprisel“  nicht  die  Construction
„nizädny  neprisel“  als  ältere  Gebrauchsweise  vorausgesetzt  werden  muss,  weil
die  eine  beim  Verbum  stehende  Negation  ausreichte.  Ich  nehme  dies  an,  da  die
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.