Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

Untersuchungen  auf  <1.  Gebiete  der  Pronomina,  besonders  der  lateinischen.  149

commodas  viginti  minas  argenti  (Plaut.  Asin.  3,  3,  134  d.  Ii.  die
Zalil  der  Minen  stimmt  mit  der  Angabe  viginti  ganz  überein,  also
volle  20  Minen);  vergl.  als  passende  Analogie  ouppsTpog.  Das  adverbielle
  commodum  bezeichnet,  dass  eine  Handlung  in  einem  dem
Interesse  der  betreffenden  Person  entsprechenden,  dienlichen  Augenblicke ­
  stattfindet,  also  z.  13.  ecce  autem  commodum  aperitur  foris
(Plaut.  Mil.  gl.  4,  4,  61  gerade  zu  rechter  Zeit,  iv  xaipw);  es  kann
aber  commodum  auch  bloss  „just,  eben“  bedeuten  ohne  jenen  Nebengriff. ­
  Die  Bedeutung  des  Adj.  commodus  „bequem“  und  des  Subst.
commodum  „Vortheil“  ergibt  sieb  sehr  leicht.
Das  Slaviscbe  bat  von  der  Präposition  Ät,  die  mit  cum  etymologisch ­
  iibereinstimmt,  einen  anderen  Gebrauch  gemacht,  indem  kT,
nur  „ad“  bedeutet.  Auch  diese  Function  ergibt  sich  aus  dem  Begriffe
der  (angestrebten)  Einheit,  der  Vereinigung.
Eine  wichtige  Bestätigung  für  den  Zusammenhang  des  cum  mit
dem  Zahlwort  der  Einheit  (d.  i.  mit  der  betreffenden  Function  des
Pronominalstammes  ka)  bietet  das  entgegengesetzte  dis-,  ikd,  ahd.
zur-,  zer-,  skr.  vi-,  das  mit  dem  Zahlwort  der  Zweiheit  zusammenbängt. ­
  So  viele  Hauptfunctionen  com-  in  der  Zusammensetzung  bat,
so  viele  Gegensätze  dazu  bietet  dis-  dar.
1.  Dem  Begriffe  der  Vereinigung  zu  einem  Ganzen  ist  die
Trennung  eines  Ganzen  in  seine  Theile  entgegengesetzt;  so  digero
opp.  congero,  discumbo  opp.  concumbo  u.  s.  w.
2.  Während  com-  Vollständigkeit  der  Handlung  oder  wenigstens
die  Intensität  anzeigt,  bezeicbnet  dis-  nicht  selten,  dass  die  durch
das  Simplex  angegebene  Handlung  oder  Eigenschaft  gar  nicht  stattfindet, ­
  sondern  das  Gegentheil;  so  dijfido  opp.  confulo,  difficilis,
opp.  facilis,  discnlceatus  opp.  calceatus,  dissimilis  opp.  similis.
Freilich  bezeichnet  dis-  auch  zuweilen  eine  Verstärkung;  aber
dazu  gelangt  dis-  auf  einem  ganz  anderen  Wege  als  com-.  So  ist
zwar  discupio  durch  seine  energische  Bedeutung  dem  concupisco
ähnlich;  aber  es  ist  eigentlich  „vor  Sehnsucht  gleichsam  sich  auflösen“
  (sich  zerwünschen,  wie  Freund  passend  sagt;  vergl.  dirumpi
dolore  (Cic.  Att.  7,  12,  3).  Distaedet  ist  in  seiner  Bedeutung  dem
pertaedet  ähnlich,  aber  es  ist  gleichsam  =  dirumpi  taedio.
3.  Dem  Begriffe  der  Gleichheit,  Übereinstimmung  steht  entgegen ­
  der  der  Ungleichheit,  Disharmonie.  So  discolor  (was  in  der
Farbe  von  etwas  anderem  sich  unterscheidet,  wie  z.  B.  Ov.  Trist.

Sitzb.  d.  phil.-hist.  CI.  LXV.  Bd.  I.  Hft.

11
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.