Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

148

K  v  1  c  a  1  a

conspicere.  Zu  ähnlichem  Zwecke  werden  auch  andere  Präfixe  gebraucht, ­
  wie  per  (pervenire),  ob  (obstupui)  u.  s.  w.  Den  ausgedehntesten ­
  derartigen  Gebrauch  von  den  Präpositionen  macht  bekanntlich
das  Slavische,  dem  freilich  auch  noch  andere  Mittel  zur  Erreichung
dieses  Zweckes  zu  Gebote  stehen.  So  gelangen  z.  B.  im  Böhmischen
Praesentia  durativa  durch  Verbindung  mit  zahlreichen  Präpositionen
im  Indicativ  zur  Geltung  eines  Futurs,  d.  h.  es  wird  auf  diese  Weise
dasjenige  Stadium  bezeichnet,  in  welchem  die  durch  das  einfache
Verbum  bezeichnete  dauernde  Handlung  das  angestrebte  Ziel  erreicht;
so  prijdu  (ich  werde  ankommen),  dojdu  (ich  werde  hinkommen)
vejdu  (ich  werde  eintreten),  sejdeme  se  (wir  werden  Zusammenkommen), ­
  opp.  jdu,  ich  gehe.  In  den  anderen  Modis,  sowie  im  Infinitiv ­
  und  Participium,  tritt  das  aoristische  Moment  hervor;  z.  B.
pfijd’  =-  npbaslSrs,  vejdi  —  daslSls,  sejiti  se  -----  axtvs.lSrs.lv.  Soll  in
der  Zusammensetzung  mit  diesen  Präfixen  das  praesentische  (durative
oder  iterative)  Moment  aufrecht  erhalten  werden,  so  müssen  andere
Formen  des  Verbs  gewählt  werden,  wie  prichdzim  =  TcpoGspyogou,
schdzime  se  (durativ  oder  iterativ)  =  ax>vspypp.sSja  (wir  sind  darin  begriffen, ­
  uns  zu  versammeln  oder  wir  pflegen  zusammenzukommen),
schdzivdme  se  (nur  iterativ)  kazddho  dne  (wir  pflegen  täglich  zusammenzukommen). ­

Wenn  die  lateinische  Sprache  zuweilen  com-  in  ähnlicher  Absicht ­
  verwandte,  so  wollte  sie  dadurch  das  Zusammenfassen  der  einzelnen ­
  Momente  zu  einem  Resultate,  den  von  Erfolg  begleiteten  Abschluss ­
  einer  dauernden  Handlung  bezeichnen  (conficio  opp.  facio),
und  das  dazu  gewählte  Mittel  ist  ohne  Zweifel  ein  sinniges.
Die  Bedeutung  der  Gleichheit  und  Übereinstimmung,  die  manche
Composita  mit  com-  haben,  hägt  mit  dem  Begriff  der  Einheit  zusammen ­
  (vgl.  opcög,  Spxoiog,  similis  u.  a.).  So  concolor  „was  eine
Farbe  mit  etwas  anderem,  dieselbe  Farbe  hat),  concors  einmüthig.
Auch  in  condignus  liegt  wol  nicht  eigentlich  der  Begriff  „sehr  würdig“
(wie  Freund  im  Lex.  angibt),  sondern  con  bezeichnet  nochmals  den
durch  das  einfache  dignus  bereits  ausgedrückten  Begriff  der  Übereinstimmung ­
  mit  der  Sachlage,  der  Angemessenheit;  freilich  ist  es
wahr,  dass  auf  diese  Weise  auch  eine  Verstärkung  des  Begriffes  von
dignus  erzielt  wird.  Sehr  lehrreich  ist  commodus,  welches  Wort  die
Übereinstimmung  mit  dem  gehörigen  Masse,  also  das  entsprechende
Mass  bezeichnet,  z.  B.  commoda  statura  (Plaut.  Asin.  2,  3  21),
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.