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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

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Indogermanisch  und  Semitisch.  <7
2.  Vocalc.
Die  ursprüngliche  Vocalreihe  des  Semitischen  ist  folgende:
a  i  u
Dagegen  stellt  sieh  die  ursprüngliche  Vocalreihe  des  Indogermanischen ­
  folgendermassen  dar:
a  i  u
ai  au
Die  Vocallängen  sind  in  beiden  Sprachstämmen  etwas  Secundäres
  und  verdanken  wahrscheinlich  einerseits  der  Zusammenziehung,
andererseits  dem  Accente  ihre  Entstehung.
Was  dagegen  die  Diphthonge  ai,  au  betrifft,  so  sind  sie
ursprünglich  nur  dem  Indogermanischen  eigen  und  weichen  später  in
beiden  Sprachstämmen,  ihren  Ursprung  anlangend,  von  einander  sehr
ah.  Während  ai,  au  im  Semitischen  stets  ein  Zusammenziehungsproduct
  aus  a  -f-  i,  a-\-u,  respective  a-{-y,  a-\-v  sind,  erscheinen
dieselben  im  Indogermanischen  neben  derselben  Geltung  als  a  -j-  i,
a  -f-  u  auch  als  Steigerungen  von  i  und  u.  An  Stelle  eines  wurzelhaften ­
  i  oder  u  treffen  wir,  ohne  dass  irgend  ein  lautliches  Moment
dieser  Veränderung  namhaft  gemacht  werden  könnte,  die  Laute  ai
oder  au,  eine  Erscheinung,  für  welche  aus  der  semitischen  Ursprache
kein  Beleg  beigebracht  werden  kann.

B.  Die  Silbe.
1.  Anlaut.
Im  Indogermanischen  ist  sowohl  consonantischer  als  auch
Tocalischer  Anlaut  der  Silbe  gestattet.  Beim  consonantisehen  Anlaut
ist  die  Sprache  nicht  auf  einen  einzelnen  Consonanten  beschränkt,
sondern  kann  auch  mehrere  Consonanten  zu  einer  Gruppe  vereinigen. ­

Im  Semitischen  muss  jede  Silbe  mit  einem  Consonanten
beginnen;  es  sind  sowohl  vocalischer  Anlaut  als  auch  der  Anlaut  mit
mehr  als  einem  Consonanten  ausgeschlossen.
            
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