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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

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K  v  l  c  a  1  a

ich  nur  als  Comparativbildung  erklären,  und  pot-ius  ist  eine  Erneuerung ­
  des  Comparativs,  wie  sat-ius  neben  sat-is,  sec-ius  neben
sec-ns“.  Aber  hiebei  ist  die  wichtige  Stelle  Varro’s  L.  L.  5,  10,  58
übersehen  worden:  „et  hi  quos  augurum  libri  scriptos  habent  sic:
dioi  qui  potes  pro  illo,  quod  Samothraces  Sioi  dvvazoi“.  Ferner
spricht  der  thatsächliche  Gebrauch  von  potis,pote  gegen  die  Ansicht,
dass  diese  Formen  Comparative  sind  und  zu  Gunsten  der  Annahme
des  Positivs,  z.  B.  Ennius  bei  Diom.  381  quis  potis  ingentes  oras
evolvere  belli  =  rig  dovurig.  Lucr.  3,  1092  nee  devitari  letum
pote  =  ovöi  duvoLzov.  Der  von  Corssen  hervorgehobene  Grund,  dass
potis  unverändert  bleibt  (aber,  wie  die  Stelle  Varro’s  zeigt,  nicht
immer!)  lässt  sich  entkräften.
Die  lateinische  Sprache  behandelte  das  als  gemeinschaftliches
Erbgut  überkommene  potis  (es  ist  nämlich  nicht  zu  bezweifeln,  dass
dies  Wort  mit  skr.  pcitis,  rcdaig,  lit.  päts  identisch  ist)  als  ein  Adjectivum
  (siehe  Varro’s  Stelle)  und  zwar  zunächst  wohl  als  ein  Adjectivum
  einer  Endung  für  alle  Geschlechter,  ebenso  wie  clives,  audax,
tenux  u.  s.  w.  ungeachtet  des  geschlechtigen  s  doch  auch  für  das
Neutrum  gelten  (Merguet  S.  119  f.)  Daneben  machte  sich  freilich
auch,  da  potis  sum  gewiss  ungemein  häufig  gehraucht  wurde  und
da  man,  mochte  das  Geschlecht  welches  immer  sein,  stets  nur  die
Form  potis  hörte,  der  adverbielle  Gebrauch  des  potis  im  Sprachgefühle ­
  geltend  (vgl.  semis,  das  auch  indeclinabel  gebraucht  wird),
und  daraus  erklärt  sich  die  Verbindung  des  potis  mit  dem  Plural,
z.  B.  Piaut.  Poen.  1,  2,  17  duae  plus  satis  dare  potis  sunt.  Gewiss  ist
hier  potis  esse  nach  Analogie  solcher  Verbindungen  aufzufassen  wie
Plaut.  Amph.  2,  1,  57  sic  sum  ut  vides.  Liv.  2,  25,  1  frustra  id
iuceptum  Volscis  fuit.  Cic.  Rose.  Am.  5,  11  omnes  haue  quaestionem
liaud  remissius  sperant  futuram.  Tac.  Ann.  1,  72  dicla  impune  eraut,
wo  esse  nicht  die  Geltung  der  blossen  Copula  bat,  sondern  die  starke
Bedeutung  „stattfinden  oder  sich  verhalten“.  Ähnlich  sank  damnatus
(damnatos),  als  es  zu  damnus  verstümmelt  ward  und  dadurch  die
Unterscheidung  der  Geschlechter  im  Singular  einbüsste,  im  Sprachgefühl ­
  zu  einem  Adverb  herab  und  es  wurde  sodann  auch  die  Formel
damnus  sunto  gebraucht.
Neben  dem  adjectivischen  potis  entwickelte  sich  aber  nach
Analogie  der  im  Latein  sehr  beliebten  Adjectiva  zweier  Endungen
auf-es,  -e  auch  die  Form  des  Neutrums  pote,  da  hier  dieser  Bildung
            
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