Untersuchungen auf d. Gebiete der Pronomina, besonders der lateinischen. 141
capsus, lapsus neben scriptus (Corssen, krit. Beitr. S. 420); zudem
kann in der vorauszusetzenden Form *ispte das s, das freilich selbst
verschwand, die Änderung des t veranlasst haben.
Pte nun wird in Zusammenhang gebracht mit skr. patis, noaig,lat.
potis; namentlich aber verweist man auf das lit. puts, fern, paß,
das neben der Bedeutung „Gatte, Gattin“ auch die Bedeutung
„selbst“ hat. Ich halte die Zusammenstellung von pte, älterem pote
mit dem Stamme pati- für richtig, glaube jedoch nicht an die Richtigkeit
der unmittelbaren Vergleichung des lateinischen und litauischen
Sprachgebrauchs. Im Litauischen hat sich wirklich aus der Bedeutung
„H err“, die man neben der wirklich vorkommenden Bedeutung
„Gatte“ annehmen muss, die Bedeutung „selbst“ entwickelt, während
für das Latein eine solche Annahme schon durch die ursprüngliche
Indeclinabilität des -pse (und darin liegt ein wichtiger Unterschied
vom Litauischen) unwahrscheinlich wird. Dass das Substantiv
päts geradezu die Geltung des Pron. „selbst“ annahm, ist eine
specifisch litauische Erscheinung, die auf das Latein auszudehnen
man nicht berechtigt ist, wenn sich in dieser Sprache keine thatsächlichen
Belege oder beweiskräftigen Analogien dafür finden. Und
sie linden sich nicht; denn dass umgekehrt im Latein ipse (wie im
Griecli. aureg) den Herren im Gegensatz zum Gesinde, den Meister
im Gegensatz zu den Schülern bezeichnet 4 ), kann ja nicht als
Beweis dafür gelten, dass hier auch die Umkehrung dessen einmal
möglich war, und dies um so weniger, da auch die anderen verwandten
Sprachen keine ganz zutreffende Analogie aufweisen, so dass
man es wie gesagt, hier nur mit einer speciell litauischen Entwicklungsphase
zu thun hat.
Das alte in utpote erhaltene pote, woraus durch Synkope pte
ward, ist das regelrechte Neutrum des Positivs potis. Aber freilich
drängt sich hier die Frage auf, oh diese Auffassung zulässig ist. Von
manchen Gelehrten wird Corssen's in Kuhn’s Ztseh. 3,279 ausgesprochene
Ansicht gebilligt: „Auch pot-i&, das für alle drei Geschlechter,
für Einzahl und Mehrzahl stets dieselbe Form behält, kann
*) Z. B. Plaut. Cas. 4, 2, 11 eo, quo me ipsa misit. Ter. Andr. 2, 2, 23 ipsus tristis
Plat. Prot. 314 D ou aurqi Gorg. 511 D. Arist v Nub. 219 und das bekannte
auros von Cic. N. I). 1, 5, 10 „ipse. dixit“ übersetzt. Über einen ähnlichen
Gebrauch des slav. sam7> vergl. Miklosich IV, 98 und die von Zikmund (Skladba.
§. 181, 3, Anm. 3. S. 345) angeführten Stellen.