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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

Untersuchungen  auf  d.  Gebiete  der  Pronomina,  besonders  der  lateinischen.  131

kennt  den  Relativstamm  ja  nicht  (Bopp.  Gram.  I«  S.  484);  das  Latein
entwickelte  sein  Relativpronomen  ans  dem  indefiniten  Pronominalstamm ­
  quo-,  das  Slavische  gebraucht  zwar  zur  Bezeichnung  der
Relation  auch  den  Stamm  ja-  aber  in  Verbindung  mit  der  enklit.
Partikel  ze,  oder  es  gebraucht  kts  in  relativer  Geltung,  das  Griechische
bedient  sich  auch  des  Stammes  vo  in  relativem  Sinne  u.  s.  w.  Offenbar ­
  gab  es  vor  der  Sprachentrennung  kein  eigentlich  ausgeprägtes
Relativum.

Iste.
Dass  iste  das  Pronomen  demonstrativem  der  zweiten  Person  ist,
wird  allgemein  anerkannt.  Es  liegt  auch  wirklich  bei  iste,  sowie  bei
den  Adverbien  istic,  istuc,  istinc  diese  Beziehung  in  unzähligen
Fällen  so  klar  zu  Tage,  dass  sie  nicht  verkannt  werden  kann.  Indessen ­
  lügt  man  hinzu,  dass  schon  in  älterer  Zeit  iste  zuweilen  als  allgemeines ­
  Demonstrativpronomen  auftrete  und  die  Beziehung  auf  die
zweite  Person  aufgegeben  habe.  Aber  wenn  man  die  betreffenden
Stellen  genau  in  ihrem  Zusammenhänge  erwägt,  so  findet  man,  dass
in  der  Zeit  vor  dem  Beginne  des  Sprachverfalls  diese  Ausnahmen
sehr  selten  sind.  Die  Bedeutung  von  iste  ist  freilich  nicht  immer  so
stark  und  klar,  dass  durch  iste  bloss  Gegenstände  bezeichnet  würden, ­
  die  der  zweiten  Person  angehören,  Eigenschaften,  welche  sie
besitzt,  Handlungen,  die  von  ihr  ausgehen:  sondern,  wie  Grysar  (Theorie ­
  d.  lat.  St.  S.  74)  richtig  bemerkt,  „es  wird  durch  iste  auch  auf
Dinge  hingewiesen,  welche  die  zweite  Person,  mit  der  einer  redend
eingeführt  wird,  in  ihrer  Rede  oder  auch  in  blossen  Andeutungen
bereits  berührt  hat“.  Diese  schwächere  Beziehung,  die  aber  doch
eben  eine  Beziehung  auf  die  zweite  Person  ist  und  bleibt,  wird  sich
(wo  eben  iste  nicht  die  stärkere  Bedeutung  bat)  für  die  ältere  und
für  die  gute  Zeit  des  Lateins  mit  sehr  wenigen  Ausnahmen  an  allen
Stellen,  die  kritisch  gesichert  sind,  nachweisen  lassen*).  Auffallend
ist  es,  dass  Grysar,  der  sonst  der  dem  iste  zukommenden  Beziehung
auf  die  zweite  Person  eifrig  nachspürt,  es  doch  zweckmässig  fand,
von  dieser  Beziehung  an  ziemlich  vielen  Stellen,  wo  es  nicht  nüthig
war,  zu  abstrahieren  und  dafür  folgende  Erklärung  aufzustellen:  „Da

*)  Von  den  hielier  gehörigen  Fällen  isl  besonders  beachtenswert!]  die  häufige  Formel
sunt  ista  „es  ist,  wie  du  sagst“.
            
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