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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

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K  v  {  c  a  1  a

Es  fragt  sich  nun,  ob  im  Latein  auch  für  sui,  sibi,  se,  suus  noch
in  einzelnen  Fällen  jene  ursprüngliche  Function  angenommen  werden
darf.  Es  gibt  bekanntlich  eine  Anzahl  von  Stellen,  an  denen  man  statt
des  vorkommenden  sui,  suus  erwarten  würde  is,  eins.  An  vielen  dieser
Stellen  kann  man  nun  freilich  hei  genauerer  Erwägung  die  reflexive
Geltung  wahrnehmen  und  den  Grund  der  Anwendung  von  sui,  suus
mehr  oder  minder  klar  nachweisen.  So  ist  z.  B.  bei  Naev.  fr.  inc.  bei
Gell.  6,  8  eum  suus  pater  cum  pallio  uno  ab  amica  abduxit  entweder ­
  suus  —  sei  n  eigener,  oder  es  steht  desshalb  ,  weil  eine
Beziehung  auf  das  (zwar  nicht  grammatische,  aber)  logische  Subject
stattfindet,  wie  es  ja  in  der  passiven  Construction  lauten  würde:  is  a
suo  patre  abductus  est.  Ebenso  lässt  sich  Plaut.  Mil.  gl.  2,  1,  34
erklären:  nam  is  illius  filiam  conicit  in  navem  miles  clam  matrem
suarn.  Cic.  Jnv.  1,  33Epaminondas  Thebanorumimperatorei,  qui  sibi
ex  lege  praetor  successerat,  exercitum  non  tradidit  —  successori
suo.  Cic.  Bose.  Am.  2,  (J  Clirysogonus  liunc  sibi  ex  animo  scrupulum,
qui  se  dies  noctesque  stimulat  ac  pungit,  ut  evellatis,  postulat,  wo
man  eum  pungit  oder  se  pungat  erwartet.  Annehmbar  ist  Halm’s
Erklärung,  dass  der  Relativsatz  hier  als  ein  inhaerirender
Tlieil  des  Hauptsatzes  erscheine  {=  se  pungenteni).  Es  ist  die  Construction ­
  „se  pung«7“  die  Mittelstufe  zwischen  „eum  pungit“  und
se  pungat;  sie  bezeichnet  schon  einigermassen  die  innerliche
Abhängigkeit  des  Relativsatzes  vom  Hauptsätze,  aber  noch  nicht  so
kräftig,  wie  die  Construction  „se  pungotf“,  bei  welcher  auch  der  Modus
zu  Hilfe  genommen  wird.  Ebenso  ist  Verr.  3,  §.  128  zu  beurtheilen:
Dexo  hic  non  quae  privatim  sibi  eripuisti,  sed  unicum  miser  abs  te
filium.  flagitat.  Halm  bemerkt  übrigens,  dass  solche  Beispiele  bei
Cicero  selten  sind  und  sich  mehr  in  seinen  älteren  Schriften  finden.
Sonst  finden  sie  sich  aber  ziemlich  oft;  vgl.  z.  B.  noch  Plaut.  Pocn.  3,  1,
23  eum  fecisse  aiunt,  sibi  quod  faciundum  fuit  (=ro  iaurü)  nptxy.riov).
Ovid.  Fast.  6,  C01  ipse  sub  Esquiliis,  ubi  erat  sua  regia,  caesus
(wenn  man  nicht  hier  die  prägnante  Bedeutung  „seine  eigene“
annehmen  will).  Veil.  Pat.  2,  36,  1  Caesar  omnibus,  qui  contra  se
arma  tulerant,  ignovit.  Suet.  Caes.  74  Et  quamquam  obsidione
Massiliae,  quae  sibi  in  itinereportas  clauscrat,  summaque  frumentariae
  rei  inopia  retardante,  brevi  tarnen  omnia  subegit.  Hör.  Ep.
2,  1,  78.  Corn.  Nep.  Cim.  3,  1.
            
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