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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

Untersuchungen  auf  d.  Gebiete  der  Pronomina,  besonders  der  lateinischen.  121

rale  Moment  kann  noch  durch  Hinzufügung  von  vbicb  (temporaler
Accusativ  des  Zeitraumes  =  aevum  =  per  aevum)  verstärkt  werden.
Dass  cumque  noch  ziemlich  lebhaft  als  selbstständiges  Wort  gefühlt
wurde,  wird  durch  die  nicht  seltene  sogenannte  Tmesis  bewiesen,
noch  mehr  aber  durch  Beispiele,  wie  Hör.  Carm.  1,  32,  IS  o  laborum
dulce  lenimen,  mihi  cumque  salve  rite  vocanti,  was  richtig  erklärt
wird  „quoties  te  vocavero“,  also  „  wann  immer,  immer  vorkommenden ­
  Falls“.
Die  indefinite  Bedeutung  von  quicumque  ist  gegenüber  der
herrschenden  relativen  selten;  als  Beispiele  führt  man  an  Cic.  Cat.
2,  S  quae  sanari  poterunt,  quacumque  ratione  sanabo.  Prop.  1,  8,  34
et  quocumque  modo  maluit  esse  mea.  Liv.  4S,  23  de  quacumque
causa.  Man  erklärt  diese  indefinite  Bedeutung  gewöhnlich  aus  der
relativen  (mit  Annahme  der  Ellipse  von  esse,  fieri  oder  sonst  eines
dem  betreffenden  Contexte  entsprechenden  Verbs)—  und  wol  mit
Recht.  Denn  obzwar  die  ursprüngliche  Bedeutung  von  quicumque  die
indefinite  war  und  somit  die  Annahme,  dass  sich  dieselbe  in  einzelnen
Fällen  auch  in  späterer  Zeit  erhielt,  nicht  widersinnig  wäre,  so
scheint  doch  die  Ansicht  den  Vorzug  zu  verdienen,  dass  die  indefinite ­
  Bedeutung  hier  ganz  erlosch  und  sich  erst  später  wieder  in  Folge
eines  Vorgangs,  den  man  in  den  Sprachen  öfter  antrifft,  entwickelte.
So  wäre  die  obige  Stelle  Cicero’s  etwa  =  quae  sanari  poterunt,
sanabo,  quacumque  ratione  sanabo.  Eine  Analogie  bietet  der  indefinite ­
  Gebrauch  von  Sang  (z.  B.  Plat.  Hipp.  mai.  282  D  roüvcov  o
iy.arspog  n\iov  äpyOptov  änb  oopiag  dp^aarcu  ri  äÄÄoj  drip.iovpydg  dp’
rujnvog  häufig  öanoovv.  Ähnliches  im  Slavischen  und  Deutschen. ­
  —  Auch  bei

quivis,  quilibet
ist  die  indefinite  Bedeutung  aus  der  relativen  zu  erklären.  Es  ist  anzunehmen, ­
  dass  das  relative  qui  in  diesen  Verbindungen  ursprünglich
in  dem  entsprechenden  Abhäigigkeitsverhältnisse  zu  vis,  lubet  stand,
wie  man  z.  B.  noch  erklären  kann  mittam  ad  te  quemvis  =  mittam.
ad  te,  quem  vis  mitti  oder  mittam  cuiusvis  generis  homines  —  mittam ­
  liomines,  cuius  vis  generis  homines  mitti  oder  quolibet  tempore
venia?n  =  venia.m,  quo  (mihi)  libet  tempore  venire  oder  =  veniam
quo  (tibi)  libet  tempore  me  venire  Vgl.  Cato  R.  R.  52  quod  genus
            
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