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Müller
Wenn ich, trotz der oben abgegebenen Erklärung, dass eintentscheidende
Lösung dieser Frage heute noch nicht zur Reife gediehen
sein dürfte, es dennoch unternehme, in dem vorliegenden Aufsätze
dieselbe zu behandeln, so bestimmt mich dazu einerseits der
Umstand, dass ich damit den noch immer auftretenden dilettantischen
Versuchen Indogermanisch und Semitisch für verwandt zu erklären,
ein Ziel setzen möchte, andererseits das Bedürfniss, diese Frage nach
dem gegenwärtigen Standpunkte der Sprachwissenschaft erwogen
zu sehen. Vom letzteren' Gesichtspunkte aus muss ich freilich
gestehen, dass sich in mir die Überzeugung festgesetzt hat, Indogermanisch
und Semitisch seien zwei grundverschiedene
Sprachstämme, deren jeder einen vom anderen unabhängigen Ursprung
voraussetzt und ich befinde mich in Betrelf der Sprachsehöpfuug
im vollkommensten Einklänge mit einem der bedeutendsten modernen
Naturforscher, Ernst Hackel, welcher Sprache und Rasse für zwei von
einander unabhängige Sphären betrachtet und den Ursprung der
Sprache nach bereits vollzogener Rassen-Differenzirung ansetzt.
Damit nun Jedermann über die Berechtigung einer solchen
Ansicht, womit leider über manche mit einem grossen Aufwande von
Scharfsinn und Gelehrsamkeit gelieferte Arbeiten der Stab gebrochen
ist, ein selbstständiges Urtheil sich bilden könne; werde ich beide
Sprachstämme einer vergleichenden Betrachtung unterziehen und
dabei so verfahren, dass auch der sprachwissenschaftlich nicht
Gebildete den von mir vorgebrachten Thatsachen mit Leichtigkeit
folgen kann.