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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

Untersuchung  en  auf  d.  Gebiete  der  Pronomina,  besonders  der  lateinischen.  tll

laremque  armaque  Amyclaeumque  canem  Cressamque  pharetram.
Aus  der  ursprünglichen  Bedeutung  von  que-que  „irgend  einmal
—  irgend  einmal,  einmal  —  einmal,  einerseits  —  einerseits“ ­
  entwickelte  sich,  indem  man  den  Begriff,  der  eigentlich  in
dem  Verhältniss  beider  Glieder  zu  einander  liegt,  auf  que-que  selbst
übertrug,  die  Bedeutung  „einerseits  —  anderseits,  sowol  —
als  Eyich“.  Eine  passende  Analogie  bietet  quci-qua,  das  ohne  Zweifel
als  indefinites  Wort  aufzufassen  ist;  somit  bedeutete  diese  Verbindung ­
  eigentlich  „einerseits  —  einerseits,  einestheils  —
einestheils  “,  gelangte  aber  auch  zu  der  Bedeutung  „sowol  —
als  auch“.  Plaut.  Mil.  4,  3,  20  qui  consectare  qua  mares  qua  feminas.
  4,  9,  15  quem  omnes  oderunt  qua  viri  qua  midieres.  Trin.
4,  3,  37  mores  autem  rapere  properant  qua  sacrum  qua  publicum.
Eben  so  böhm.  jeduak  —jednak  =  sowol—  als  auch.  Interessante
Beispiele  des  corresponsiven  partitiven  Gebrauches  der  Indefinita
führt  Miklosich  (Synt.  S.  87)  aus  den  slavischen  Sprachen  an.
Nachdem  nun  durch  den  corresponsiven  Gebrauch  que  —  que
die  Bedeutung  „sowol  —  als  auch“  erlangt  hatte,  gierig  die
Sprache  weiter.  Das  erste  que  wurde  ausgelassen  und  das  im  zweiten
Gliede  stehende  in  der  hinzufügenden  und  verbindenden  Bedeutung
„auch,  und“  gebraucht.  Es  ist  dies  eine  Bedeutung,  die  sich  nicht
aus  der  indefiniten  Grundbedeutung  von  innen  heraus  entwickelt  hat,
sondern  die  man  aus  der  vorgestellteu  Beziehung  der  beiden  Glieder
auf  que  selbst  übertrug  ■).  Die  passendste  Analogie  bietet  ri  dar;
aber  es  finden  sich  auch  andere  Analogien,  die  da  zeigen,  dass  eine
Partikel  in  Folge  eines  vorauszusetzenden  corresponsiven  Gebrauches ­
  Trägerin  einer  Bedeutung  wurde,  die  sich  nicht  innerlich
aus  der  Grundbedeutung  entwickelte.  So  verhält  es  sich  z.  B.  mit
der  Bedeutung  „oder“  von  ??.  Die  ursprüngliche  Bedeutung  war  aller
Wahrscheinlichkeit  nach  „so“,  woraus  sich  die  relative  „wie“  entwickelte, ­
  die  sich  noch  nachweisen  lässt  (Ztschr.  f.  d.  öst.  Gymn.
XV,  314).  Die  disjunctive  Bedeutung  „oder“  ging  nun  weder  aus
der  Bedeutung  „so“,  noch  aus  der  Bedeutung  „wie“  hervor,  sondern ­
  das  mittlere  Stadium,  durch  welches  vj  hindurch  gierig,  bevor  es

1 )  Anders  Pott,  der  (Et.  Forsch.  II,  865)  noch  den  Zusammenhang  von  que  mit  skr.
V  ci  (sammeln)  festhält.  Corssen  (Ausspr.  I,  336)  fasst  que  relativ  auf  und  entwickelt ­
  „und“  aus  „wie“.
            
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