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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

Untersuchungen  auf  d.  Gebiete  der  Pronomina,  besonders  der  lateinischen.  109

Augustus  zeigt.  Cels.  6,  6  nonnumquam  per  duos  menses  durat;
quandoque  {ianv  ore)  brevius  finitur.  Sen.  Q.  N.  1,1  fin.  quandoque
fiunt  trabes,  quandoque  clipei.  —  Dagegen  zeigt  sich  die  unbeschränkt ­
  verallgemeinernde  Bedeutung  hei  diesem  Worte,  wenn  der
erste  Theil  desselben  die  relative  Geltung  annimmt.  Hör.  Pis.  3S9
indignor,  quandoque  (wann  immer,  jedesmal  wann)  bonus  dormitat
Homerus.  Cic.  Verr.  2,  3,  80.
Eigentümlich  aber  ist  quandoque  gebraucht  z.  B.  Liv.  8,  7,
IS  quandoque  tu,  T.  Manli,  adversus  edictiim  nostrum  extra  ordinem
  in  hostem  pugnasti.  .  .  nos  potius  nostro  delicto  plectemür,
quam  res  publica  tanto  suo  damno  nostra  peccata  lüat;  ebenso
Liv.  9,  10,  9.  Dies,  wie  Weissenborn  richtig  bemerkt,  alterthümliclie
  quandoque  (=  quandoquidem)  bedeutet  „wann  einmal“
und  causal  „da  einmal,  sintemal“  und  ist  mit  indrs  zu  vergleichen!). ­

d)  Utique.  Wie  ist  das  Wort  zu  der  Bedeutung  „schlechterdings ­
  ,  jedenfa11  s,  ganz  und  gar“  gelangt?  Offenbar  ist  uti
hier  indefinit  aufzufassen  und  es  entwickelte  sich  aus  der  Bedeutung ­
  „irgendwie,  wie  nur  immer“  die  Bedeutung  „ganz
und  gar“ 2 ).
In  derselben  Weise  lassen  sich  auch  alle  übrigen  Wörter,  deren
zweiter  Theil  que  ist,  erklären.
Wenn  man  nun  aber  fragen  würde,  warum  sich  die  Bedeutung
„jeder“  bei  quisquam,  aliquis,  quis  nicht  entwickelte,  wo  sie  sich
doch  auch  entwickeln  konnte,  wenn  quisque  und  andere  aus  zwei  indefiniten ­
  Elementen  zusammengesetzten  Wörter  zu  dieser  allgemeinen
Bedeutung  gelangten:  so  könnte  diese  Frage  nicht  als  eine  erhebliche ­
  Einwendung  gegen  die  vorgetragene  Erklärung  betrachtet
werden.  Nicht  alles,  was  an  und  für  sich  möglich  war,  hat  sich  auch
wirklich  entwickelt.  Dieser  Satz,  der  unzähligemal  seine  Anwendung
findet,  gilt  auch  hier.  Auch  das  einfache  quis  konnte  ohne  Zweifel
die  Bedeutung  „jeder“  erlangen,  wie  das  lit.  käs  (Schleicher,  Lit.
Gr.  S.  300)  diese  Bedeutung  wirklich  hat  und  wie  im  Latein  das
erste  Element  von  quotulie  (quoti  die  zwei  Locative  wie  pridie,  die
quinte  u.  a.),  quotannis  die  Bedeutung  „jeder“  hat,  während  sich

1 )  Zeitschr.  f.  d.  österr.  Gymn.  1864,  S.  404  f.
2 )  Zeitschr.  f.  d.  österr.  Gymn.  1864,  S.  408.
            
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