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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

Untersuchnng-en  auf  i\.  Gebiete  der  Pronomina,  besonders  der  lateinischen.  103
festgesetzt  hatte  und  man  in  uno  nur  das  Moment  der  approximativen ­
  Angabe  fühlte,  blieb  der  Gebrauch  nicht  mehr  auf  runde  Zahlen
besch  rankt.
ftuisquam,  ullns.
Ullus  ist,  obzwar  auch  eine  andere  Erklärung  versucht  worden
ist 1 ),  unzweifelhaft  das  Deminutivum  von  unus  und  es  bietet  in  dieser
Hinsicht  eine  zutreffende  Analogie  das  böhmische  jedinky  (Demin.
von  jediny,  unus)  dar;  ja  es  wird,  um  den  Begriff  des  Einzigen,
Alleinigen  recht  energisch  auszudrücken,  auch  jedininky  (in  älterer
Zeit  auch  jedinicky'),  so  zu  sagen  eine  Potenzierung  der  Deminutivform ­
  gebraucht;  vgl.  jediny,  jedinky,  jedininky  (jedinicky)  mit
maly  (parvus),  malinky  oder  malicky  (parvulus),  malininky  (valde
pusillus).  Die  Bedeutung  „ein  einziger,  nur  ein  einziger“
tritt  auch  noch  im  wirklichen  Sprachgebrauch  zuweilen  bestimmt
hervor  und  kann  dem  Sprachgefühl  der  Römer  niemals  ganz  abhanden
gekommen  sein.  Vgl.  z.  B.  Cie.  Brut.  §.  301  prima  causa  publica
pro  S.  Roscio  dicta  tantum  commendationis  habuit,  ut  non  ulla
{=  oöds  pu'a,  während  nulla  =  oöospia)  esset,  quae  non  digna
nostro  patrocinio  videretur.  Daraus  erklärt  sich  auch  der  Gebrauch
von  nullus,  ferner  der  vorherrschende  Gebrauch  des  ullus  in  negativen ­
  Sätzen  oder  in  Fragen,  auf  welche  eine  negative  Antwort  erwartet ­
  wird;  unter  den  verschiedenen  Mitteln 2 )  nämlich,  deren  sich
die  Sprachen  bedienen,  um  das  Nichtvorhandensein  von  etwas,  um
das  Gegentheil  von  „jemand“  oder  „etwas“  energisch  zu  bezeichnen, ­
  ist  die  Verbindung  der  Negation  mit  der  Einheit  und  die
dadurch  bewirkte  Aufhebung  der  Einheit  ein  sehr  naheliegendes  und
desshalb  oft  gebrauchtes  Mittel;  vgl.  non  (aus  noenomj,  ovdsig,  lit.
nevins  (ne  unus  quidem),  ahd.  nihein.  Desselben  Mittels  bediente
man  sich  freilich  auch  anderseits  zur  Bezeichnung  der  Vielheit,  wie
•z.  B.  skr.  naika  (mehrere),  ovy_  dg.  böhm.  nejeden  (d.  i.  nicht  bloss
einer,  viele),  da  der  Gegensatz  der  Einheit  die  Nullität,  aber  auch
die  Mehrheit  sein  kann.

4 )  Bopp  (I,  33)  stellt  ullus  (ul-tra,  ul-terior,  ul-timus)  sowie  auch  ille  mit  alius,
aWoS  (welche  Wörter  dem  Mr.  nnja's  entsprechen  sollen)  zusammen.
3 )  Eine  interessante  Zusammenstellung  dieser  Mittel  gibt  Miklosich,  die  Negation  in
den  slav.  Sprachen.  Wien  1869,  S.  28.

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