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alte einfache Form ursprünglich ausreichend bezeichnete, später
aber nicht mehr genügend zu bezeichnen vermochte i).
Dies Schicksal traf auch das ursprüngliche Pronomen indefinitum
qui, quis. Es ist nicht bloss auf den enklitischen Gebrauch beschränkt
(eine Beschränkung, die über die lat. Sprache hinausreicht),
sondern auch innerhalb der Grenzen dieses Gebrauches erlitt es allmälig
eine sehr bedeutende Einbusse, so dass es im Latein schliesslich
nur noch in den mit si, nisi, ne, mim, quo, quanto eingeleiteten
Nebensätzen sich behauptete. Hand in Hand mit dieser Beschränkung
gieng die Bildung neuer indefiniter Pronomina, wie aliquis,
quisquam, quisque. Die Tochtersprachen giengen weiter; auch
aliquis genügte nicht mehr, und so entstand z. B. alcuno, aucun =
aliquis unus.
Bezüglich der Beschränkung des quis hauptsächlich auf gewisse
Nebensätze bietet das Slavische eine bemerkenswerthe Übereinstimmung
dar. In hypothetischen, temporalen, comparativen, finalen
Nebensätzen behauptet sich das alte einfache Pronomen indefinitum
k'hto, sowie die anderen entsprechenden einfachen indefiniten Wörter,
während dem aliquis im Sprachgebrauche irbktto (böhm. nekdu)-')
*) So bedürfen die Casusformen, die in älterer Zeit stark genug- waren, um an und
für sich verschiedene Momente zu bezeichnen, im Laufe der Sprachentwicklung
einer Stütze, die ihnen durch Präpositionen zu Theil wird, wie z. ß. der Accusativ
des Zieles im Griechischen und Latein später nur ausnahmsweise ohne die Stütze
einer Präposition erscheint. Einer der schlagendsten Beweise hiefür ist bekanntlich
das ital. medesimo, das franz. meme, das aus scmet ipsissimum (Diez,
Lex. s. v.) entstanden ist. Welcher Aufwand von Mitteln zur Erreichung eines
Zweckes, den die Muttersprache so einfach erreicht!
2 ) Kopitar hat niikzto aus ne vimh khto (d. i. ncscio quis, böhm. nevim kdo) gedeutet,
welcher Deutung Grimm beistimmte. Als Analogie könnte man dafür ausser
dem lat. ncscio quis, das auch die Rolle eines indefiniten Pronomen spielt
(= quidam), noch lit. kaszkas, gewöhnlich kazi kas anführen, das „irgend
jemand“ bedeutet und aus kas Uno kas (= wer weiss wer) zusammengezogen
ist (Schleicher, lit. Gr. p. 200). Doch glaube ich, dass sich Miklosich
(Vergl. Gramm. 4. ßd. S. 88) mit Recht gegen diese Auffassung erklärt. Pott, der
Et. F. 1, 362 ausser den slavischen Wörtern, deren erster ßestandtheil ne ist,
auch die lit. nevens (mancher), nekurs (jemand) u. a. bespricht, sagt: „Das
Räthselhafte dieser Erscheinung löst sich meines Bediinkens dahin auf, dass,
während in den negativen Formeu wie nikdo = nemo) begrifflich das grössere
Gewicht auf die Negation und ein schwächeres auf das ziemlich gleichgültig und
daher indefinit gehaltene Pronomen zu fallen scheint, das Umgekehrte bei den